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53810-01 - Seminar: Realität und Fiktionalität in der Gegenwartsliteratur 3 KP

Semester Frühjahrsemester 2019
Angebotsmuster einmalig
Dozierende Rahel Villinger (rahel.villinger@unibas.ch, BeurteilerIn)
Inhalt ‚Metafiktionalität’ ist ein Begriff der jüngeren Literaturwissenschaft, der Verfahrensweisen bezeichnet, durch die Literatur die vielschichtige Beziehung und wechselseitige Durchdringung von Fiktionalität und Realität, Imagination und faktischer Wirklichkeit, Erfindung und Dokumentation reflektiert. Das Seminar will solche metafiktionalen Verfahrensweisen in der Literatur der Gegenwart anhand exemplarischer Texte von Alexander Kluge, Rainald Goetz und Kathrin Röggla untersuchen. Bei Kluge (Stichwort ‚Anti-Realismus der Gefühle’), Goetz ("Irre, Klage", "Johann Holtrop" u.a.) und Röggla (die alarmbereiten u.a.) ist die Wirklichkeit, von der erzählt wird, selbst von Wahn, Ich-Überhöhung, Wünschen, Ängsten, Lügen, Fiktionen und Imaginationen durchsetzt. Dass die faktischen Tatsachen nur die Hälfte der Wirklichkeit bilden, wird hier literarisch ausgestellt und überspitzt ins Extrem getrieben.
Vermeintliche historische bzw. realpolitische Gegebenheiten werden dabei als Effekte bloßer Macht-Rhetorik, illusorischer Selbstüberschätzung und Realitätsverkennung entblößt. So verfolgen die verschiedenen Erzähltexte die Strategie einer Konfrontation der eigenen fiktionalen Rede mit der Fiktionalität und Rhetorik der Wirklichkeit. Das Seminar will in diesem Zusammenhang auch den Einsatz von digitalen- und Bildmedien (Internet, Photographie, Film, Zeichnungen) in der Literatur der Gegenwart diskutieren. Im Zentrum soll dabei das spezifische Zusammenwirken verschiedener Medien stehen, im Hinblick auf den Brennpunkt einer permanenten Oszillation zwischen Dokumentarischem und Fiktion bzw. Inszenierung – wie wenn beispielsweise Rögglas Echtzeitfiktionen in "Irres Wetter" die Perspektive einer Handykamera generieren.
Die Frage nach literarischer Metafiktionalität wird unter den veränderten medialen Bedingungen der Selbstdarstellung der Wirklichkeit um die Jahrtausendwende auf eine neue Weise zentral. Das Verhältnis zu einer zunehmend virtuellen Realität wird künstlerisch nun vermehrt durch Ununterscheidbarmachung von Fiktionalität und Authentizität, Erfundenem und Dokumentarischem, Inszenierung und Wirklichkeit reflektiert. Hier rückt nun ein ebenso kritisches wie neu entwerfendes Verhältnis zur Wirklichkeit in den Vordergrund; anders als z.B. in Formen von Metafiktionalität in der klassischen Moderne, die häufig Realitäts-brechend oder Realitäts-destruierend sind (obwohl es beispielsweise in Kluges Geschichten diese brechende Tendenz auch gibt). Realität und Realismus sind für Kluge, Goetz, Röggla auch aus diesem Grund heute wieder zentrale Begriffe, obwohl ihre Verfahren meist nicht dem Realismus als Textverfahren entsprechen, das prototypisch in klassischen realistischen Romanen des 19. Jahrhunderts oder auch in der populären Bestsellerliteratur erkennbar ist. Vor diesem Hintergrund widmet sich das Seminar auch den folgenden weiterführenden Fragen:
Seit etwa zwei Jahrzehnten gibt es einen regelrechten Realismusboom im Theater, in der Literatur, in der bildenden Kunst, in der Philosophie. Womit hängt das zusammen? Welche Realismuskonzepte bzw. Theorien der Realität werden dabei aktualisiert, kritisiert oder neu erfunden? Was hat das mit der Postmoderne zu tun? Und was mit der Gegenwart – mit Fake News, mit der Wahrnehmung der Realität durch Medien? Wie verändert das die Literatur der Gegenwart? Und vor welchen neuen Herausforderungen steht eine Gegenwartsliteraturforschung um die Jahrtausendwende, im Zeitalter virtueller Parallelwelten und globaler Ungleichzeitigkeiten?
Literatur Einige Primärtexte werden ca. eine Woche vor Seminarbeginn zur Anschaffung empfohlen. Alle weiteren Primär- und Sekundärtexte werden auf ADAM bereitgestellt.

 

Teilnahmebedingungen gemäss Studienordnung
Unterrichtssprache Deutsch
Einsatz digitaler Medien kein spezifischer Einsatz
HörerInnen willkommen

 

Intervall wöchentlich
Datum 19.02.2019 – 28.05.2019
Zeit Dienstag, 16.15-18.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Datum Zeit Raum
Dienstag 19.02.2019 16.15-18.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Dienstag 26.02.2019 16.15-18.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Dienstag 05.03.2019 16.15-18.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Dienstag 12.03.2019 16.15-18.00 Uhr Fasnachtsferien
Dienstag 19.03.2019 16.15-18.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Dienstag 26.03.2019 16.15-18.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Dienstag 02.04.2019 16.15-18.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Dienstag 09.04.2019 16.15-18.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Dienstag 16.04.2019 16.15-18.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Dienstag 23.04.2019 16.15-18.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Dienstag 30.04.2019 16.15-18.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Dienstag 07.05.2019 16.15-18.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Dienstag 14.05.2019 16.15-18.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Dienstag 21.05.2019 16.15-18.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Dienstag 28.05.2019 16.15-18.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Module Modul Aufbaustudium Neuere deutsche Literaturwissenschaft: Schwerpunkt nach 1850 (Bachelor Studienfach Deutsche Philologie)
Modul Deutsche Literaturwissenschaft: Forschungsorientiertes Studium (Master Studienfach Deutsche Literaturwissenschaft)
Modul Disziplinäre Vertiefung (Bachelor Studienfach Deutsche Philologie)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Deutsche Philologie)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Englisch)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studiengang Altertumswissenschaften)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Französistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Hispanistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Italianistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Nordistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Altertumswissenschaften)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Hispanistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Latinistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Italianistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Englisch)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Slavistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Deutsche Philologie)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Deutsche Literaturwissenschaft)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Französistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Nordistik)
Modul Literaturgeschichte (Master Studiengang Literaturwissenschaft)
Wahlbereich Master Deutsche Philologie: Empfehlungen (Master Studienfach Deutsche Philologie)
Leistungsüberprüfung Lehrveranst.-begleitend
Hinweise zur Leistungsüberprüfung Regelmäßige Teilnahme, Übernahme von Impulsreferaten und/oder anderweitigen schriftlichen oder mündlichen Arbeitsaufträgen.
An-/Abmeldung zur Leistungsüberprüfung Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich
Wiederholungsprüfung keine Wiederholungsprüfung
Skala Pass / Fail
Wiederholtes Belegen keine Wiederholung
Zuständige Fakultät Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch
Anbietende Organisationseinheit Fachbereich Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft

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