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Semester | Frühjahrsemester 2024 |
Angebotsmuster | unregelmässig |
Dozierende |
Janina Kölbing (janina.koelbing@unibas.ch)
Jürgen Mohn (juergen.mohn@unibas.ch, BeurteilerIn) |
Inhalt | Macht ist an sich unsichtbar. Sie inkarniert sich aber in verschiedenen Formen, so zum Beispiel im Körper des Herrschers oder der Herrscherin, dem in dieser Rolle eine Qualität zukommt, die einen ‘normalen’ menschlichen Körper übersteigt. Dieser duale Aspekt machtvoller Verkörperung hat Ernst Kantorowicz in seiner bekannten Studie «The King’s Two Bodies» (1957) ausgearbeitet. Anhand juristischer und theologischer Doktrinen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit weist er nach, dass der König mehr als nur einen Körper hat: Sein sterblicher «natürlicher» Körper (body natural) ist durch die Fiktion eines unsterblichen «politischen» Körpers (body politic) supplementiert, durch den er die Würde und Macht der Monarchie repräsentiert. Der zweite Körper erfüllt massgeblich zwei Funktionen: Zum einen sichert die Fiktion eines sublimen «Über-Körpers», der im Falle des Todes eines Königs von einem sterblichen Körper auf einen anderen übertragen werden kann, den überindividuellen Bestand des Königtums. Zum anderen fungiert dieser Körper als Repräsentanz aller Untertanen und ermöglicht so die Identifikation aller Subjekte mit der sie umfassenden Gemeinschaft. Auf Kantorowicz Werk wird immer wieder rekurriert, um anhand des Paradigmas des Königs ebenjenem Konnex von Macht und Verkörperung nachzuspüren. Slavoj Žižek begründet die Logik der zwei Körper aus psychoanalytisch-kulturphilosophischer Warte. Er führt die Verdopplung des Königskörpers auf seine einzigartige Stellung innerhalb der symbolischen Ordnung zurück, die ihn zum Lacanianischen «Objekt klein a» und damit zum Träger eines besonderen Charismas macht. Žižek versucht in «Die Grimassen des Realen» (1993) zu ergründen, wie sich die traditionelle Zwei-Körper-Logik vom sublimen Körper des modernen Führers unterscheidet. Auch Eric Santner widmet sich der Frage nach der Transformation der Erscheinungsformen des zweiten Körpers im Übergang zu demokratischen Nationalstaaten. In «The Royal Remains» (2011) argumentiert er, dass der zweite Körper des Königs, welcher der Souveränität und dem sozialen Band eine fleischliche Dimension verlieh, nach der Absetzung der Könige im 19. Jahrhundert nicht aus dem politischen Feld verschwand. Denn auch das demokratisch konstituierte Volk, so die These Santners, verfügt über einen sublimen zweiten Körper, der nicht weniger phantasmatisch ist als der göttlich beglaubigte Königskörper. Der zweite Körper des Volkes präsentiert sich nun nicht mehr in einem transzendent autorisierten Königskörper, sondern in der scheinbar materiellen Form des «Fluidums» oder der «Rasse». In der Moderne sei es die Biopolitik, die die «sublime Lebenssubstanz des Volkes» hervorbringe. Die auf drei unterschiedliche, aber verwandte Weisen vorgebrachte Theorie der zwei Körper kann als eine Artikulation der religiösen Grundlagen der Vergemeinschaftung verstanden werden. Im Blockseminar soll die Relevanz dieser Thesen für eine auch psychoanalytisch akzentuierte Religionstheorie gemeinsam herausgearbeitet werden. |
Literatur | Kantorowicz, Ernst: Die zwei Körper des Königs: eine Studie zur politischen Theologie des Mittelalters, Stuttgart, Klett-Cotta, 1992. Žižek, Slavoj: Grimassen des Realen: Jacques Lacan oder die Monstrosität des Aktes, Köln, Kiepenheuer & Witsch, 1993. Santner, Eric L.: Was vom König übrig blieb: die zwei Körper des Volkes und die Endspiele der Souveränität, Wien, Turia + Kant, Berlin 2015. |
Bemerkungen | Das Blockseminar ist auf maximal 10 Personen beschränkt. |
Teilnahmevoraussetzungen | Das Blockseminar geht von Donnerstag, dem 25. April am Nachmittag, bis zum Samstag, den 27. April zur Mittagszeit. Teilnahmevoraussetzung ist die Anwesenheit und aktive Teilnahme in diesem Zeitraum und die vorbereitende Lektüre der Texte. |
Anmeldung zur Lehrveranstaltung | Über die verbindliche Teilnahme wird in der Vorbereitungssitzung am 12.03. entschieden. Wer an diesem Tag nicht kommen kann, sollte sich bei Janina Kölbing oder Jürgen Mohn per E-Mail melden. |
Unterrichtssprache | Deutsch |
Einsatz digitaler Medien | kein spezifischer Einsatz |
Intervall | Wochentag | Zeit | Raum |
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Block | Siehe Einzeltermine |
Bemerkungen | Findet im Bienenberg (Liestal) statt. Vorbereitungs-Sitzung: Dienstag, 12.3., 14:15-16 Uhr |
Datum | Zeit | Raum |
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Dienstag 12.03.2024 | 14.15-16.00 Uhr | Kollegienhaus, Seminarraum 107 |
Donnerstag 25.04.2024 | 13.00-18.00 Uhr | - Siehe Bemerkung, Findet in Bienenberg (Liestal) statt. |
Freitag 26.04.2024 | 09.00-18.00 Uhr | - Siehe Bemerkung, Findet in Bienenberg (Liestal) statt. |
Samstag 27.04.2024 | 09.00-13.00 Uhr | - Siehe Bemerkung, Findet in Bienenberg (Liestal) statt. |
Dienstag 18.06.2024 | 18.15-19.45 Uhr | Theologie, Kleiner Seminarraum 201 |
Donnerstag 20.06.2024 | 09.00-10.00 Uhr | Theologie, Kleiner Seminarraum 201 |
Module |
Modul: Alternative Religionsgeschichte (Master Studienfach: Religionswissenschaft) Modul: Aufbaustudium Religionskomparatistik und Religionstheorie (Bachelor Studienfach: Religionswissenschaft) Modul: Erweiterung Religionswissenschaft (Bachelor Studienfach: Religionswissenschaft) Modul: Erweiterung Religionswissenschaft MA (Master Studienfach: Religionswissenschaft) Modul: Religionskomparatistik (Master Studienfach: Religionswissenschaft) Modul: Religionstheorie und Religionsforschung (Master Studienfach: Religionswissenschaft) |
Prüfung | Lehrveranst.-begleitend |
Hinweise zur Prüfung | Referat, aktive Teilnahme bei den gemeinsamen Textdiskussionen, Bereitschaft sich für einen der drei genannten Texte zuständig zu erklären. |
An-/Abmeldung zur Prüfung | Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich |
Wiederholungsprüfung | keine Wiederholungsprüfung |
Skala | Pass / Fail |
Belegen bei Nichtbestehen | beliebig wiederholbar |
Zuständige Fakultät | Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch |
Anbietende Organisationseinheit | Fachbereich Religionswissenschaft |