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54057-01 - Vorlesung: Provokationsstrategien im slavischen Theater von der Avantgarde bis heute 2 KP

Semester Frühjahrsemester 2019
Angebotsmuster einmalig
Dozierende Anna Hodel (anna.hodel@unibas.ch, BeurteilerIn)
Inhalt Die Vorlesung gibt einen Überblick über Formen und Funktionen theatraler Provokationsstrategien und Widerstandsästhetiken von der Avantgarde bis zur Gegenwartskunst mit Schwerpunkt im slavischen Raum.
Die Avantgarde bietet verschiedentlich einen Brennpunkt für die Betrachtung (ost)europäischer Kulturgeschichte: Es kommt zu einer engen Verflechtung westlicher und östlicher Einzelkulturen und es finden künstlerische Revolutionen statt, die für Kunst und Gesellschaft bis heute Referenzmodelle ausprägen. Im Medium des Theaters lässt sich dies besonders anschaulich nachvollziehen. Wenn Kunst provoziert, dann lassen sich grob zwei Typen unterscheiden: autonome, die sich auf ästhetische Diskussionen beziehen, und heteronome, die auf einen Konflikt zwischen dem Kunstsystem und seiner Umwelt zurückgehen. Im Theater, in dessen formalen und inhaltlichen Konventionen immer schon übergreifende gesellschaftliche Strukturen, Rollenverständnisse und Kommunikationsmodelle aufbewahrt sind, fielen und fallen diese beiden Provokationstypen häufig in eins, ist künstlerische Selbstreflexion mit Gesellschaftsreflexion verknüpft, werden metapoetische Innovationsprojekte zu Verhandlungsstätten sozialer und politischer Reformation. In den Theatern der transnationalen Avantgarde mit ihrem Impetus der Theatralisierung des Lebens, ihrer Durchleuchtung unseres Perzeptions- und Rezeptionsverhaltens, Aktivierung des Zuschauers, Sprengung der Guckkastenbühne und anderer ästhetischer Konventionen, ihrer Körperlichkeit und Dekonstruktion logozentrischer Hierarchien spiegeln sich so stets auch Visionen neuer Mensch- und Gesellschaftsordnungen.
Wenn sich provokative Theaterpraktiken seitdem bis heute immer wieder auf theatrale Avantgardeprojekte beziehen, dann stellt sich einerseits die Frage, wie deren Modelle in verschiedenen zeitlichen und räumlichen Kontexten adaptiert und transformiert werden, andererseits auch, inwiefern sie Gefahr laufen zu leeren Mustern zu werden, die ihrer Provokationskraft längst verlustig gegangen sind.
Neben theoretischen, begrifflichen und methodischen Überlegungen wendet sich die Vorlesung drei zeitlichen Schwerpunkten zu: den sowjetischen (und allgemein europäischen) 1920er Jahren (von Brecht, Artaud bis Stanislavskij, Tret‘jakov, Mejerhol‘d, Witkiewicz, Honzl u.ä.), der „zweiten Avantgarde“ der 1960er und 70er Jahre usw. (performance-Praktiken, actiontheater, living theatre, Gruppe Kollektive Aktionen u.ä.), sowie den post(post)dramatischen Praktiken der letzten Jahrzehnte (z.B. Oliver Frljić, teatr.dok, Ivana Sajko, Theatre of the Displaced People, novaja drama, Belarus Free Theatre).
Unter Zuhilfenahme von Dramatexten, Aufführungsdokumentationen, programmatischen u.a. Autozeugnissen sowie Bild- und Videoaufnahmen bietet die Vorlesung Einblicke in übergeordnete, typologische Entwicklungen theatraler Praktiken in den letzten 100 Jahren zwischen Ost und West ebenso wie in Einzel- und Sonderfälle.
Literatur – Brauneck, Manfred (Hg.): Theater im 20. Jahrhundert. Programmschriften, Stilperioden, Reformmodelle. (9. aktualisierte Aufl.). Rowohlt Taschenbuch Verl. 2001
– Fischer-Lichte, Erika (Hg.): TheaterAvantgarde. Wahrnehmung – Körper – Sprache. Francke, Tübingen 1995
– Knopf, Robert (Hg.): Theater of the Avant-garde, 1890-1950. A critical anthology. Yale University Press, New Haven 2015
– Lazarowicz, Klaus/ Balme, Christopher (Hg.): Texte zur Theorie des Theaters. Reclam, Leipzig 2012
– weitere Materialien folgen

 

Unterrichtssprache Deutsch
Einsatz digitaler Medien kein spezifischer Einsatz
HörerInnen willkommen

 

Intervall wöchentlich
Datum 19.02.2019 – 28.05.2019
Zeit Dienstag, 08.30-10.00 Kollegienhaus, Hörsaal 115
Datum Zeit Raum
Dienstag 19.02.2019 08.30-10.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 115
Dienstag 26.02.2019 08.30-10.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 115
Dienstag 05.03.2019 08.30-10.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 115
Dienstag 12.03.2019 08.30-10.00 Uhr Fasnachtsferien
Dienstag 19.03.2019 08.30-10.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 115
Dienstag 26.03.2019 08.30-10.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 115
Dienstag 02.04.2019 08.30-10.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 115
Dienstag 09.04.2019 08.30-10.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 115
Dienstag 16.04.2019 08.30-10.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 115
Dienstag 23.04.2019 08.30-10.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 115
Dienstag 30.04.2019 08.30-10.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 115
Dienstag 07.05.2019 08.30-10.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 115
Dienstag 14.05.2019 08.30-10.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 115
Dienstag 21.05.2019 08.30-10.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 115
Dienstag 28.05.2019 08.30-10.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 115
Module Modul Basiswissen Osteuropa (Bachelor Studienfach Osteuropäische Kulturen)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Hispanistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Deutsche Literaturwissenschaft)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Französistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Nordistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Slavistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Englisch)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Latinistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Italianistik)
Modul Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Deutsche Philologie)
Modul Literatur im Zusammenspiel der Künste und Medien (Master Studiengang Literaturwissenschaft)
Modul Literaturgeschichte (Master Studiengang Literaturwissenschaft)
Modul Slavische Kulturwissenschaft (Master Studienfach Slavistik)
Modul Slavische Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Osteuropäische Kulturen)
Modul Slavische Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studiengang Osteuropa-Studien)
Modul Slavische Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Slavistik)
Leistungsüberprüfung Leistungsnachweis
An-/Abmeldung zur Leistungsüberprüfung Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich
Wiederholungsprüfung eine Wiederholung, Wiederholung zählt
Skala Pass / Fail
Wiederholtes Belegen keine Wiederholung
Zuständige Fakultät Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch
Anbietende Organisationseinheit Fachbereich Slavistik

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