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58744-01 - Forschungsseminar: Das Lochamer-Liederbuch und die deutschsprachige Liebeslyrik in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts 4 KP

Semester Herbstsemester 2020
Angebotsmuster einmalig
Dozierende Stefan Rosmer (stefan.rosmer@unibas.ch, BeurteilerIn)
Inhalt Die deutschsprachige (Liebes-)Lyrik des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit spielte in der Forschung lange Zeit eine nur marginale Rolle. In Überblicksdarstellungen und erst recht in Publikationen, die ein breiteres Publikum ansprechen wollen, drängt sich deswegen bisweilen der Eindruck auf, zwischen dem höfischen Minnesang und der Leselyrik des Barock habe es keine oder keine nennenswerte Liedkunst gegeben. Das war in den Anfängen der Germanistik anders, als einige dieser Lieder unter dem Begriff des Volkslieds gefasst wurden und so mitunter auch eine Karriere in popularisierenden Liederbüchern und in der Jugendkultur machten. Die Vereinnahmung eines Teil dieser Lieder für ein ‘Volk’ war ihrer Erforschung aber nicht mehr förderlich, nachdem das Fach sich einerseits von seiner nationalistischen Vergangenheit befreien wollte und andererseits seine Interessen und insbesondere seine textanalytischen Werkzeuge an den Kategorien des Autors, des Werks, der Originalität, des individuellen Kunstwillens ausrichtete. In den letzten 20 Jahren ist nun aber ein verstärktes Interesse am spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Lied zu verzeichnen, sowohl in der Germanistik als auch in der Musikwissenschaft, wobei sich die Forschung mit einigen Aspekten dieser Lieder immer noch ausgesprochen schwer tut. Auch die Verteilung auf zwei Fächer ist bisweilen ein Hindernis. Die Zugangsweisen der jüngeren Forschung sind dabei unterschiedlich, besonderes Interesse fanden in der Germanistik einerseits, vom Ansatz der Überlieferungsgeschichte her kommend, die Aspekte der Medialität und Materialität, andererseits der spezifische Liebesdiskurses, der im Vergleich mit dem Minnesang untersucht wurde. In der Musikwissenschaft standen Fragen der Kompositions- und Stilgeschichte und die kulturelle und soziale Verortung der Liedkunst im Vordergrund. Im Forschungsseminar wählen wir als Ausgangspunkt eine Handschrift: Das Lochamer-Liederbuch. Es entstand um die Mitte des 15. Jahrhunderts in Nürnberg und enthält 45 weltliche Lieder, die ein breites Spektrum von Liedtypen und Stilen abdecken. Den zweiten Teil des Buchs bildet das Fundamentum organisandi, ein Orgeltrakat des berühmten blinden Nürnberger Organisten Conrad Paumann. Die Handschrift zählt zu den wichtigen Quellen für die Musik- und Literaturgeschichte des deutschsprachigen Lieds. Von ihr ausgehend wollen wir uns verschiedene Aspekte der spätmittelalterlichen Liedkultur im deutschen Sprachraum erarbeiten. Dabei werden wir uns zunächst mit der Handschrift selbst befassen, sie dann mit anderen Codices und Überlieferungstypen vergleichen und über den Sitz im Leben von Musik und Texten nachdenken. Als Literaturwissenschaflter_innen gilt unser besonderes Augenmerk der Faktur der Texte. Musikhistorisches Interesse und Wissen sind daher keine Voraussetzung, aber natürlich hochwillkommen! Vorausgesetzt wird die Bereitschaft, sich in ein recht unübersichtliches Feld einzuarbeiten, sich mit den Liedern sowie mit neueren und älteren (teils sperrigen) Forschungstexten intensiv auseinanderzusetzen, ohne dass man es sich mit Einführungen, Überblicksdarstellungen und Zusammenfassungen bequem machen kann (denn solche gibt es fast nicht).
Lernziele Studierende erarbeiten sich ein profundes Wissen über die Geschichte der deutschen Lyrik zwischen ca. 1450 und 1520. Sie lernen, eigenständig eine individuelle Quelle zu bearbeiten und von ihr ausgehend Fragestellungen zu entwickeln. Sie erwerben einige Elementarkenntnisse in den Bereichen Paläographie und Kodikologie. Sie überblicken die jüngere Forschungsliteratur und können Zugangsweisen, Erkenntnisinteressen und Thesen der Forschung vergleichen, gegeneinander abwägen und bewerten; dabei sind sie in der Lage, auch Erkenntnisse der Nachbardisziplinen zu rezipieren und in ihre eigene Argumentation einzubauen.
Literatur Zur Vorbereitung:
- Johannes Kandler, Art. Lochamer Liederbuch, publiziert am 12.10.2010; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Lochamer_Liederbuch.
- Einen ersten Einstieg bietet: Holznagel, Franz-Josef, Mittelalter, in: Geschichte der deutschen Lyrik, Stuttgart 2004. S. 11–94.
- Die Handschrift, die unter der Signatur Mus. ms. 40613 in der Staatsbibliothek zu Berlin liegt, kann als Digitalisat eingesehen werden unter: https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN645230707
- Weitere Literatur wird in der ersten Sitzung bekannt gegeben und auf ADAM bereit gestellt.

 

Teilnahmebedingungen keine
Anmeldung zur Lehrveranstaltung über MoNA, keine gesonderte Anmeldung nötig
Unterrichtssprache Deutsch
Einsatz digitaler Medien kein spezifischer Einsatz

 

Intervall wöchentlich
Datum 18.09.2020 – 18.12.2020
Zeit Freitag, 10.15-12.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 4
Datum Zeit Raum
Freitag 18.09.2020 10.15-12.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 4
Freitag 25.09.2020 10.15-12.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 4
Freitag 02.10.2020 10.15-12.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 4
Freitag 09.10.2020 10.15-12.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 4
Freitag 16.10.2020 10.15-12.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 4
Freitag 23.10.2020 10.15-12.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 4
Freitag 30.10.2020 10.15-12.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 4
Freitag 06.11.2020 10.15-12.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 4
Freitag 13.11.2020 10.15-12.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 4
Freitag 20.11.2020 10.15-12.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 4
Freitag 27.11.2020 10.15-12.00 Uhr Dies Academicus
Freitag 04.12.2020 10.15-12.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 4
Freitag 11.12.2020 10.15-12.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 4
Freitag 18.12.2020 10.15-12.00 Uhr Deutsches Seminar, Seminarraum 4
Module Doktorat Allgemeine Literaturwissenschaft: Empfehlungen (Promotionsfach Allgemeine Literaturwissenschaft)
Doktorat Deutsche Literaturwissenschaft: Empfehlungen (Promotionsfach Deutsche Literaturwissenschaft)
Modul: Deutsche Literaturwissenschaft: Forschungsorientiertes Studium (Master Studienfach Deutsche Literaturwissenschaft)
Modul: Deutsche Literaturwissenschaft: Grundwissen Master (Master Studienfach Deutsche Literaturwissenschaft)
Modul: Germanistische Mediävistik (Master Studienfach Deutsche Philologie)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Deutsche Philologie)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Französistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Slavistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Nordistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Hispanistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Latinistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Englisch)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Italianistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Deutsche Literaturwissenschaft)
Modul: Literatur im Zusammenspiel der Künste und Medien (Master Studiengang Literaturwissenschaft)
Modul: Literatur- und kulturwissenschaftliche Forschung (Master Studiengang Literaturwissenschaft)
Modul: Literaturgeschichte (Master Studiengang Literaturwissenschaft)
Wahlbereich Master Deutsche Philologie: Empfehlungen (Master Studienfach Deutsche Philologie)
Leistungsüberprüfung Lehrveranst.-begleitend
Hinweise zur Leistungsüberprüfung regelmässige Mitarbeit und Teilnahme, Arbeitsaufgaben und Kurzpräsentationen (genaueres in der 1. Sitzung)
An-/Abmeldung zur Leistungsüberprüfung Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich
Wiederholungsprüfung keine Wiederholungsprüfung
Skala Pass / Fail
Wiederholtes Belegen nicht wiederholbar
Zuständige Fakultät Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch
Anbietende Organisationseinheit Fachbereich Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft

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