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60467-01 - Forschungsseminar: "Fragment" – Literaturwissenschaftliche und archäologische Perspektiven 3 KP

Semester Frühjahrsemester 2021
Angebotsmuster einmalig
Dozierende Nikolaus Dietrich (nikolaus.dietrich@unibas.ch)
Richard Hunter (richard.hunter@unibas.ch)
Cédric Scheidegger Lämmle (cedric.scheidegger@unibas.ch, BeurteilerIn)
Inhalt ** Die Veranstaltung besteht aus zwei Workshops, die von Prof. Dr. Richard Hunter (Classics, Cambridge) resp. Prof. Dr. Nikolaus Dietrich (Archäologie, Heidelberg) geleitet werden. Diese finden am Montag und Dienstag, 29.–30.März, (Hunter) resp. am Montag und Dienstag, 17.–18. Mai, statt (Dietrich). **

Der Begriff des Fragments beschreibt nicht nur die materielle Beschaffenheit eines Gegenstandes (er ist nicht, nicht mehr oder noch nicht vollständig), sondern auch seine ästhetische Qualität (er ist bestimmt durch sein Verhältnis zu einer verlorenen/idealen/angestrebten Vollkommenheit); er bezeichnet das Ergebnis eines beschädigenden Überlieferungs- oder Verwertungsprozesses (Reste, Exzerpte, Zitate, Spolia), oder markiert nur eine Station auf dem Weg allmählicher Vervollständigung und Vervollkommnung (unvollendete Werke u.dgl.).
Die Altertumswissenschaften und ihre Gegenstände – die Texte und Kunstwerke der Antike, die nur bruchstückhaft überliefert worden sind, und dennoch immer wieder als Ideale des Klassischen in Anspruch genommen werden – spielten in der Ausbildung des Fragment-Begriffs eine prominente Rolle. Zugleich ist ihre Praxis in besonderer Weise von ihm bestimmt. Die Altertumswissenschaften sammeln, edieren, kommentieren, kontextualisieren und ergänzen Fragmente. Im Umgang mit Fragmenten reflektieren sie die eigene Position zwischen Bewahrungsethos, Rekonstruktionsbemühen, Aktualisierungsanspruch und Vollständigkeitsphantasie… Die beiden Workshops widmen sich der Schnittstelle von Wissenschafts- und Begriffsgeschichte auf der einen und wissenschaftlicher Praxis und Methodenreflexion auf der anderen Seite.

*Workshop I – ‘Ancient Literature and the Fragment’ (Richard Hunter)*
The workshop will consider the place which fragments play in our conception and knowledge of ancient literature. How do fragments of lost literature survive, and why do they play such an important role in the way we imagine the ancient world? Why are there so many more fragments of some authors than of others? What is the difference between a quotation and a fragment and when does one become the other? Do authors themselves create fragments? How has fragmentariness shaped the critical reception and reputation of some authors (Sappho, Ennius)? Do fragments take on quite new meanings when divorced from their original context? What can fragments tells us about reading practices across the centuries?
No advanced knowledge of Greek or Latin will be assumed; the seminars will be conducted in English, with discussion in German or English, as participants prefer. Participants will be encouraged to make a short presentation on a literary ‘fragment’ (from any ancient or modern text) of their own choice. It will be helpful to have read in advance: Most 2010 (see s.v. LITERATUR)

*Workshop II – ‘Fragment und Unvollständigkeit in der griechisch-römischen Archäologie und Kunst’ (Nikolaus Dietrich)*
Der Workshop beschäftigt sich mit dem Fragment in zwei Hinsichten: mit fragmentarischen Befunden als Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnis in der klassischen Archäologie (Tag 1) und mit Unvollständigkeit in der ästhetischen Erfahrung griechischer und römischer Bildwerke (Tag 2). Während Fragmentarität im ersten Fall Ergebnis unvollständiger Überlieferung ist, die etische Perspektive auf griechisch-römische materielle und visuelle Kultur betrifft und in der Archäologie ein grundlegendes methodisches Problem darstellt, ist Fragmentarität im zweiten Fall (oftmals) Ergebnis bewusster Gestaltung in der Herstellung und Inszenierung antiker Bildwerke, betrifft die emische Perspektive auf griechisch-römische visuelle Kultur und stellt ein ästhetisches Phänomen dar, welches viele Bereiche griechisch-römischer Bildproduktion durchzieht.

** Ein detailliertes Programm der beiden Workshops wird, zusammen mit Materialien zur Vorbereitung, bis Semesterbeginn auf ADAM (www.adam.unibas.ch) zur Verfügung gestellt werden.**
Literatur *N. Dietrich, ‘Remarques sur la valeur heuristique du fragment. Un essai de méthodologie à propos d´un tesson de coupe à Heidelberg’, in: N. Hosoi, E. Lehoux, V. Zachari (edd.), La Cité des regards, Rennes 2019, 269–290.
M. Papini, A. Cucchiarelli (edd.), Opus imperfectum. Monumenti e testi incompiuti del mondo greco e romano, Roma 2020 (= Scienze dell'Antichità 25.3).
G. W. Most (ed.), Collecting Fragments / Fragmente sammeln, Göttingen 1997 (Aporemata: Kritische Studien zur Philologiegeschichte 1).
* –––––, Art. ‘Fragments’, in: A. Grafton et al. (edd.), The Classical Tradition, Cambridge, MA, 2010, 371-377.
E. Ostermann, Art. ‘Fragment’, in: Historisches Wörterbuch der Rhetorik 3 (1996) 454-465.
–––––, Das Fragment. Geschichte einer ästhetischen Idee, München 1991.
V. Platt, ‘Orphaned Objects: Pliny’s Natural History and the Phenomenology of the Incomplete’, Art History 41.3 (2018) 492–517.
L. Dällenbach, C. L. Hart Nibbrig (edd.), Fragment und Totalität, Frankfurt a.M. 1984.
Bemerkungen Der erste Workshop wird vollständig online durchgeführt (zoom), der zweite findet vor Ort statt, sofern es die pandemische Lage erlaubt.

 

Anmeldung zur Lehrveranstaltung Belegen resp. Anmeldung beim Dozenten
Unterrichtssprache Deutsch
Einsatz digitaler Medien Online-Veranstaltung
HörerInnen willkommen

 

Intervall Block
Datum 29.03.2021 – 18.05.2021
Zeit Siehe Detailangaben
Datum Zeit Raum
Montag 29.03.2021 09.00-17.00 Uhr - Online Präsenz -, --
Dienstag 30.03.2021 09.00-17.00 Uhr - Online Präsenz -, --
Montag 17.05.2021 09.00-17.00 Uhr Kollegienhaus, Seminarraum 212
Dienstag 18.05.2021 09.00-17.00 Uhr Kollegienhaus, Seminarraum 212
Module Doktorat Ägyptologie: Empfehlungen (Promotionsfach Ägyptologie)
Doktorat Alte Geschichte: Empfehlungen (Promotionsfach Alte Geschichte)
Doktorat Gräzistik: Empfehlungen (Promotionsfach Gräzistik)
Doktorat Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft: Empfehlungen (Promotionsfach Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft)
Doktorat Klassische Archäologie: Empfehlungen (Promotionsfach Klassische Archäologie)
Doktorat Latinistik: Empfehlungen (Promotionsfach Latinistik)
Doktorat Ur- und Frühgeschichte: Empfehlungen (Promotionsfach Ur- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Archäologie)
Doktorat Vorderasiatische Altertumswissenschaft: Empfehlungen (Promotionsfach Vorderasiatische Altertumswissenschaft)
Modul: Literatur- und kulturwissenschaftliche Forschung (Master Studiengang Literaturwissenschaft)
Leistungsüberprüfung Lehrveranst.-begleitend
An-/Abmeldung zur Leistungsüberprüfung Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich
Wiederholungsprüfung keine Wiederholungsprüfung
Skala Pass / Fail
Wiederholtes Belegen nicht wiederholbar
Zuständige Fakultät Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch
Anbietende Organisationseinheit Departement Altertumswissenschaften

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