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60551-01 - Proseminar: Figur und Perspektive. Konventionelles und komplexes Erzählen im osteuropäischen Spielfilm 3 KP

Semester Frühjahrsemester 2021
Angebotsmuster einmalig
Dozierende Clea Wanner (clea.wanner@unibas.ch, BeurteilerIn)
Inhalt Ob im Kino oder vor dem Computer- und Fernsehbildschirm die Figur (menschlich oder nicht-menschlich) bestimmt massgeblich unser filmisches Erlebnis. Sie bietet während der Rezeption mehrheitlich den Brennpunkt der Aufmerksamkeit: Wir betrachten ihr Handeln und Erleben, mit ihnen fühlen wir mit oder identifizieren uns sogar. Die Figur ist ein höchst komplexes filmisches Phänomen.
Das Proseminar setzt sich jedoch mit einem ganz bestimmten Aspekt der Figur auseinander, nämlich mit dem Zusammenspiel von Erzählperspektive(n) und Figur(en). Wie präsentiert der Film Informationen über das Geschehen und was erfahren wir Zuschauer*innen über das Wissen der Figuren, über ihr Erleben und Wahrnehmen der Welt? Die Behandlung solcher Fragen verlangt ein Analyseinstrumentarium, das die spezifischen Möglichkeiten des Films berücksichtigt und auch die auditive und visuelle Fokalisierung des Films miteinschliesst.
Neben der Lektüre und Analyse komplexer theoretischer Texte aus der Literatur- und Filmnarratologie werden die erarbeiteten Konzepte anhand konkreter Filmbeispiele aus dem osteuropäischen Kino diskutiert. Ziel ist es nämlich, ausgehend von dem Verhältnis ‘Figur und Perspektive’ Entwicklungen bestimmter Erzählinstanzen in der osteuropäischen Filmgeschichte nachzuzeichnen.
Dazu gehören die Repräsentation der Masse im Avantgarde-Kino der 1920er Jahre (General’naja linija, 1929), die zahlreichen Heldenfiguren aus dem sozrealistischen Kino unter Stalin (Kljatva, 1946), aber auch die neuen Filmheld*innen der Nachkriegsjahre. Denn nachdem sich das Individuum über Jahre dem Schicksal des Kollektivs fügen musste, fokussierte sich das Kino nun auf Einzelschicksale. Die subjektive Perspektive als zentrales Mittel der Intimisierung der Figur wurde wiederentdeckt (Letjat žuravli, 1957). Daran anschliessend werden auch die Erneuerungsbewegungen der 1960er und 70er Jahre im (ost-)europäischen Kino Thema sein. Der radikale Formenwandel brachte vielstimmig fokalisierte Welten hervor. Für Ambivalenzen sorgten etwa Doppelgängerinnen (Sedmikrásky, 1966), die unschuldige, entlarvende Erzählperspektive eines Kindes (Uloga moje porodice u svjetskoj revoluciji, 1971) sowie verschiedene Formen pluraler Figurenkonstellationen und alternativer Handlungsverläufe (Kinoautomat, 1967). Abschliessend wird ein Blick auf das Gegenwartskino geworfen, das etablierte Konzepte mit den neuen medialen Möglichkeiten figuraler Perspektivierungen (wie etwa des Mobiltelefons) kombiniert.
Ein solche diachrone Betrachtung soll schliesslich auch offenlegen, wie die Konstruktion von Figuren und die damit verbundenen Verfahren filmischen Erzählens historisch bedingt sind, wie sie in einem bestimmten ästhetischen Bezugsrahmen stehen und in historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontexte eingebunden sind.
Lernziele Im Proseminar werden die Grundlagen des wissenschaftlichen Umgangs mit Film vertieft und mit bedeutenden Konzepten aus der filmischen Erzähltheorie erweitert. Ziel ist es, die diversen Filme aus verschiedenen Epochen, Genres und Regionen in ihren narrativen, ästhetischen und kulturhistorischen Dimensionen kritisch zu untersuchen und vergleichen.
Bemerkungen Das Proseminar kann auch ohne Kenntnisse einer osteuropäischen/slavischen Sprache besucht werden.
Bei einer Überschneidung mit dem Kurs "Tschechisch II" bitte sich bei Georg Escher und Clea Wanner melden

 

Unterrichtssprache Deutsch
Einsatz digitaler Medien kein spezifischer Einsatz

 

Intervall wöchentlich
Datum 01.03.2021 – 31.05.2021
Zeit Montag, 14.15-15.45 Nadelberg 8
Datum Zeit Raum
Montag 01.03.2021 14.15-15.45 Uhr Nadelberg 8, Seminarraum 13
Montag 08.03.2021 14.15-15.45 Uhr Nadelberg 8, Seminarraum 13
Montag 15.03.2021 14.15-15.45 Uhr Nadelberg 8, Seminarraum 13
Montag 22.03.2021 14.15-15.45 Uhr Nadelberg 8, Seminarraum 13
Montag 29.03.2021 14.15-15.45 Uhr Nadelberg 8, Seminarraum 13
Montag 05.04.2021 14.15-15.45 Uhr Ostern
Montag 12.04.2021 14.15-15.45 Uhr Nadelberg 8, Seminarraum 13
Montag 19.04.2021 14.15-15.45 Uhr Nadelberg 8, Seminarraum 13
Montag 26.04.2021 14.15-15.45 Uhr Nadelberg 8, Seminarraum 13
Montag 03.05.2021 14.15-15.45 Uhr Nadelberg 8, Seminarraum 13
Montag 10.05.2021 14.15-15.45 Uhr Nadelberg 8, Seminarraum 13
Montag 17.05.2021 14.15-15.45 Uhr Nadelberg 8, Seminarraum 13
Montag 24.05.2021 14.15-15.45 Uhr Pfingstmontag
Montag 31.05.2021 14.15-15.45 Uhr Nadelberg 8, Seminarraum 13
Module Modul: Visuelle Medien in Osteuropa (Bachelor Studiengang Osteuropa-Studien)
Modul: Visuelle Medien in Osteuropa (Bachelor Studienfach Osteuropäische Kulturen)
Leistungsüberprüfung Lehrveranst.-begleitend
An-/Abmeldung zur Leistungsüberprüfung Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich
Wiederholungsprüfung keine Wiederholungsprüfung
Skala Pass / Fail
Wiederholtes Belegen nicht wiederholbar
Zuständige Fakultät Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch
Anbietende Organisationseinheit Fachbereich Slavistik

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