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62095-01 - Seminar: Euripides, Hippolytos: Verstrickungen in die Liebe 3 KP

Semester Herbstsemester 2021
Angebotsmuster unregelmässig
Dozierende Anton F.H. Bierl (a.bierl@unibas.ch, BeurteilerIn)
Inhalt Die Tragödie Hippolytos, datiert auf 428 v. Chr., wird den sogenannten Meisterdramen (neben Medea, Bakchen, Alkestis und Herakles) zugerechnet, die aufgrund ihrer künstlerischen Gestaltung und fesselnden Dramatik über die Zeiten hinweg bis heute am meisten Beachtung fanden. Schon die Inhaltsangabe des Aristophanes von Byzanz endet lakonisch mit dem Satz, dass “das Drama unter die erstrangigen fällt”. Zudem liefert er die Information, dass unser Hippolytos das zweite Stück gleichen Namens ist, das zur Unterscheidung auch den Beinamen Stephanias (oder auch Stephanophoros), also “der Kranzträger”, erhielt, weil der Titelheld zu Anfang der von ihm einseitig verehrten Göttin Artemis einen Kranz offeriert. Von dem ersten Hippolytos, der Kalyptomenos, “der sich Verhüllende”, hiess, sind nur noch Fragmente erhalten (TrGF V 428-447). Die Stiefmutter Phaidra bot sich dort so offen Hippolytos, dem Sohn ihres Gatten Theseus aus erster Ehe mit einer Amazone, sexuell an, dass sie in der Komödie als Inbegriff einer Hure galt (Aristophanes, Frösche 1043). Aus Scham über diese Avance verhüllte der keusche Stiefsohn sein Haupt. Beim Publikum fiel das anrüchige Stück offenbar durch. Deswegen und vielleicht auch aus intellektuellem Vergnügen an der dialektischen Variation schrieb Euripides bald darauf eine zweite Fassung, in der er Phaidra nun selbst zur keuschen Frau umgestaltete, die heroisch gegen ihre verbotene Liebe ankämpft und sich als Ausdruck dieser Haltung nun selbst den Kopf wie allgemein üblich züchtig mit einem Tuch bedeckt.
Aufgrund der meisterhaften Diptychonstruktur und dramaturgischen Gestaltung, die in vielem an den vermeintlichen Klassiker Sophokles, gerade an dessen Trachinierinnen (aufgeführt wahrscheinlich nach 438 v. Chr.) erinnert, die ebenfalls eine liebende Frau, nämlich Herakles’ Gattin Deianeira, thematisierten, glaubten einige Kritiker, gerade im Hippolytos eine Ausnahme zu sehen. Hier treffe also die eben beschriebene Charakteristik einer exaltierten, sophistisch beeinflussten Poetik des Euripides nicht zu. Vielmehr habe er das erhabene Modell nahezu perfekt eingehalten. Doch hält dieses Urteil, das auf ästhetischen Vorannahmen beruht, einer genaueren Prüfung nicht stand. Denn selbst hier liegt wiederum – gerade zusätzlich zum intellektuellen Kontrastspiel mit der ersten Fassung – die Ästhetik der herakliteischen palintropos harmonia, der gegenwendigen Fügung (Fr. 51 DK), der Risse und Brüche im Zusammenklang vor, die mit dem Auf- und Ab von Dualismen, Ambivalenzen und wechselseitigen Spannungen arbeitet.
Lernziele – philologische und historisch–kritische Lektüre des Texts
– Vertrautwerden mit wichtigen Forschungsproblemen
– Verbesserung der Lesefertigkeit
– Textkritik und Kommentierung
– Vertrautwerden mit der Gattung der Tragödie
– Vertrautwerden mit Fragen der Interpretation
– Erlernen von philologischen sowie kultur- und literaturwiss. Interpretationsmodellen
– Erlernen von wiss. Diskussion und schriftlichen Seminararbeiten
Literatur Text:
Diggle, J., ed.: Euripidis fabulae, I, Oxford 1984 oder Murray, G., 1909
Kommentare
Barrett, W.S.: Hippolytos. Edited with Introduction and Commentary, Oxford 1964
Halleran, M.R.: Euripides’ Hippolytos with Introduction, Translation and Commentary, Warminster 1995
Roth, P.: Euripides. Hippolytos. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert, Berlin 2015

Sekundärliteratur:
Bierl, A.: “Essay” zu Euripides’ Hippolytos, in: Euripides, Hippolytos. Wenn Menschen lieben. Eine Tragödie. Aus dem Griechischen übersetzt von Kurt Steinmann, Zürich: Diogenes 2019, 108–144
Bierl, A., “Phaedra: a Tragic Queen in Turmoil Between Violent Love and Its Chaste Suppression. An Interpretation of Euripides’ Hippolytus in Initiatory Terms”, Skenè 6:1, 2020, 57–83
Cairns, D.L.: “The Meadow of Artemis and the Character of the Euripidean Hippolytos”, Quaderni Urbinati di Cultura Classica 57, 1997, 51-75
Goff, B.E.: The Noose of Words. Readings of Desire, Violence and Language in Euripides’ Hippolytos, Cambridge 1990
Kovacs, D.: The Heroic Muse. Studies in the Hippolytus and Hecuba of Euripides, Baltimore 1987
Luschnig, C.A.E.: Time Holds the Mirror. A Study of Knowledge in Euripides’ Hippolytus, Leiden 1988
Mills, S.: Euripides. Hippolytus, London 2002
Zeitlin, F.I.: “The Power of Aphrodite. Eros and the Boundaries of the Self in Euripides’ Hippolytos”, in: dies., Playing the Other. Gender and Society in Classical Greek Literature, Chicago 1996, 219-284

Bemerkungen
Das Seminar ist bes. auch für Studierende der Altertumswiss. und modernen Literaturwiss. (aber nur mit guten Griechischkenntnissen) und Religionswissenschaften geeignet; zudem Doktorierenden, Magistrierenden als Forschungsseminar empfohlen. Auch geeignet für die Zertifikate ”Ancient Greek and Modern Theatre & Performance Studies” und “Literatur und Religion: Mythopoetik"


Der Text sollte möglichst schon in den Semesterferien präpariert werden.
Wir lesen die zentralen Passagen sehr intensiv.



Achtung! Die LV beginnt erst in der 2. Woche.
Weblink https://graezistik.philhist.unibas.ch/

 

Teilnahmebedingungen gute Griechischkenntnisse, möglichst Griechisches Proseminar, Interessierte können auf Anfrage auch mit Aufbaukurskenntnissen teilnehmen.
Unterrichtssprache Deutsch
Einsatz digitaler Medien kein spezifischer Einsatz
HörerInnen willkommen

 

Intervall wöchentlich
Datum 27.09.2021 – 20.12.2021
Zeit Montag, 10.15-11.45 Rosshof, Tagungsraum 306
Datum Zeit Raum
Montag 27.09.2021 10.15-11.45 Uhr Rosshof, Tagungsraum 306
Montag 04.10.2021 10.15-11.45 Uhr Rosshof, Tagungsraum 306
Montag 11.10.2021 10.15-11.45 Uhr Rosshof, Tagungsraum 306
Montag 18.10.2021 10.15-11.45 Uhr Rosshof, Tagungsraum 306
Montag 25.10.2021 10.15-11.45 Uhr Rosshof, Tagungsraum 306
Montag 01.11.2021 10.15-11.45 Uhr Rosshof, Tagungsraum 306
Montag 08.11.2021 10.15-11.45 Uhr Rosshof, Tagungsraum 306
Montag 15.11.2021 10.15-11.45 Uhr Rosshof, Tagungsraum 306
Montag 22.11.2021 10.15-11.45 Uhr Rosshof, Tagungsraum 306
Montag 29.11.2021 10.15-11.45 Uhr Rosshof, Tagungsraum 306
Montag 06.12.2021 10.15-11.45 Uhr Rosshof, Tagungsraum 306
Montag 13.12.2021 10.15-11.45 Uhr Rosshof, Tagungsraum 306
Montag 20.12.2021 10.15-11.45 Uhr Rosshof, Tagungsraum 306
Module Modul: Griechische Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte BA (Bachelor Studienfach Altertumswissenschaften)
Modul: Griechische Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte BA (Bachelor Studiengang Altertumswissenschaften)
Modul: Griechische Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte MA (Master Studienfach Gräzistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Englisch)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Altertumswissenschaften)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Deutsche Philologie)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Französistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Hispanistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Italianistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Nordistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studiengang Altertumswissenschaften)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Slavistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Englisch)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Deutsche Philologie)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Französistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Hispanistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Italianistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Deutsche Literaturwissenschaft)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Latinistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Nordistik)
Modul: Literaturgeschichte (Master Studiengang Literaturwissenschaft)
Leistungsüberprüfung Lehrveranst.-begleitend
Hinweise zur Leistungsüberprüfung regelmässige und aktive Teilnahme (unbedingt auch in die erste Std. kommen!), regelmässige Präparation, ausführliches Referat zu einer Textstelle, Übernahme einer zweiten Textsstelle, evt. Kurzreferate
An-/Abmeldung zur Leistungsüberprüfung Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich
Wiederholungsprüfung keine Wiederholungsprüfung
Skala Pass / Fail
Wiederholtes Belegen beliebig wiederholbar
Zuständige Fakultät Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch
Anbietende Organisationseinheit Fachbereich Gräzistik

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