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32975-01 - Vorlesung: Kirchengeschichte: Kirche in der Moderne (19./20. Jh.) 3 KP

Semester Frühjahrsemester 2022
Angebotsmuster unregelmässig
Dozierende Michael Bangert (michael.bangert@unibas.ch, BeurteilerIn)
Inhalt Im 19. wie im 20. Jahrhundert ereignen sich in der Kirchengeschichte – in regional-helvetischer, oder auch in globaler bzw. europäischer Hinsicht – grosse Verschiebungen. Neue Machtverhältnisse etablieren sich in den Kirchen und den Staaten. Nach der kurzen Phase der Helvetik organisieren sich z.B. in der Schweiz die Kirchen in zunehmend hermetischen Formen, die zu einer neuen Konfessionalisierung und damit letztlich auch zum Bürgerkrieg in der Eidgenossenschaft führen.
Die Neuordnung Europas nach grossen Umwälzungen durch Napoleon I. auf dem Wiener Kongress, die Romantik, die restaurativen Gesellschaftstendenzen (mythische Absicherung der Nation) und die Lebensform des Biedermeier beeinflussen die christliche Kultur in grossem Maße. Die Religionskritik wird zu einer beständigen Herausforderung für die christlichen Kirchen.
Die fortschreitende Industrialisierung und die darin entstehende Sozialgruppe der Arbeiterfamilien stellen die christlichen Kirchen vor ungeahnte Herausforderungen. Die sog. "Soziale Frage" führt das Christentum in dieser Epoche in vollkommen veränderte Auseinandersetzungen in nahezu allen seinen Lebensvollzügen. Der Imperialismus und "Kolonialisierung der Welt" durch sog. christlichen Nationen führt in eine ethische Dilemma-Situation, die die christliche Tradition erschüttert.
Die Frömmigkeitskultur in den Konfessionen und Ländern Europas erfährt neue, bis heute anhaltende Prägungen, so z.B. durch die Erweckungsbewegungen, den päpstlichen Ultramontanismus und die Missionstätigkeiten. Das ungeklärte Verhältnis zur Moderne führt den Katholizismus ins Ghetto und in den Kulturkampf. Die Kirchen der Reformation zeigen eine deutlich raschere Adaption an die Entwicklungen der Moderne.
Die christlichen Kirchen insgesamt müssen sich mit den grossen Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts wie Materialismus, Faschismus, Nationalismus und Säkularisierung auseinandersetzen. In den Katastrophen der grossen Kriege bestimmt sich die christliche Botschaft im 20. Jahrhundert in neuer Weise. Der Ost-West-, sowie der Nord-Süd-Konflikt stellen die Kooperation der Kirchen vor eine Bewährungsprobe.
Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert werden die ökumenischen Bewegungen vitalisiert. Sie gipfeln u.a. in der Pfingstversammlung 1989 in Basel. Es folgt ein Abflachen bis hin zur Aporie. Dazu tragen auch die Aufbrüche traditioneller Formen, sowie die markanten Säkularisierungstendenzen bei, die unter verschiedenen Situationen zur Identitätskrise der Kirchen führen.
Die Herausforderungen der sog. "Frauenfrage" nehmen die Kirchen in unterschiedlicher Geschwindigkeit an. In der Auseinandersetzung mit der Frage der Gerechtigkeit entwickeln sich neue Formen der theologischen Rede, wie die "Politische Theologie". Ebenso die Religionstoleranz. Insgesamt bedarf das Verhältnis der Kirchen zum Staat am Beginn des 21. Jahrhunderts einer prinzipiellen Neubestimmung.
Die Vorlesung wird die wesentlichen Elemente der Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte vorstellen, damit die Entwicklungen in der Kirchengeschichte und die überaus bedeutsamen Neuansätze der Theologie klarer einzuordnen sind.
Lernziele 1. Die Teilnehmenden überblicken der Geschichte des 19. und des 20. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung der Kirchengeschichte und der Geschichte christlicher Kultur mit den Schwerpunkten Schweiz und Europa.
2. Die tiefgreifenden Ereignisse – wie Wiener Kongress, Restauration, Nationalismus und Sonderbundskrieg, zweite Konfessionalisierung, Imperialismus, Industrialisierung, Revolutionen, Welt-Kriege, Säkularisierung, Religionskritik, Bedeutungsverschiebung der christlichen Tradition – sind den Teilnehmenden bekannt und sie können die wesentlichen Faktoren dieser Jahrhunderte einordnen und in Beziehung zur Gegenwart setzen.
3.Die wichtigen Ausdrucksformen der Frömmigkeit und die zentralen Entwicklungen der Theologie in diesen Jahrhunderten sind vertraut.
4. Die tragenden Elemente der globalen, europäischen und schweizerischen Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte sind den Teilnehmenden bekannt. Sie können diese Elemente in ihrer Entwicklung und Auswirkung auf die Geschichte der Kirche verstehen und bewerten.
5. Die Teilnehmenden verfügen über ein Zeitraster und eine historische Matrix, die es ihnen ermöglichen, die beiden Jahrhunderte im Kontext ihrer Wurzeln und ihrer Auswirkungen zu verstehen.
Literatur • Christopher Alan Bayly: Die Geburt der modernen Welt. Eine Globalgeschichte 1780–1914. Frankfurt am Main: Campus-Verlag 2008.
• Urs Altermatt: Der Weg der Schweizer Katholiken ins Ghetto. Zürich: Benzinger 1972.
• Urs Altermatt: Katholizismus und Moderne. Zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte der Schweizer Katholiken 1848-1919. Zürich: Benzinger 1991.
• Urs Altermatt: Religion und Nation. In: Altermatt, Urs / Metzger, Franziska (Hgg.): Religion und Nation. Katholizismen im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts. Stuttgart: Kohlhammer 2007.
• Ulrich Gäbler, Johannes Schilling (Hgg.): Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen („Schwarze Reihe“). Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt.
• Martin Greschat (Hrsg.): Gestalten der Kirchengeschichte. Stuttgart: Kohlhammer 1993.
• Martin Greschat u.a. (Hg.), Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen, Das Zeitalter der Weltkriege und Revolutionen), Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Theologie 1999.
• Martin Greschat (Hg.), Vom Konfessionalismus zur Moderne, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Theologie 2012.
• Wolf-Dieter Hauschild: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Bd. 2. Reformation und Neuzeit, Gütersloh 2005.
• Jürgen Kocka: Das lange 19. Jahrhundert. Arbeit, Nation und bürgerliche Gesellschaft. Stuttgart: Klett-Cotta 2001.
• Bernd Moeller: Geschichte des Christentums in Grundzügen. Göttingen: UTB 2011.
• Herfried Münkler: Marx, Wagner, Nietzsche. Welt im Umbruch. Berlin: Rowohlt 2021.
• Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800–1866. 3 Bde. München: C.H. Beck 2012.
• Christoph Nonn: Das 19. und 20. Jahrhundert. Hrsg.: Achim Landwehr (= Orientierung Geschichte). Paderborn: Schöningh 2014.
• Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. Auflage. München: CH. Beck 2020.
• Johannes Paulmann: Globale Vorherrschaft und Fortschrittsglaube – Europa 1850 -1914. München: C.H. Beck 2019.
• Matthias Schulz: Das 19. Jahrhundert (1789–1914). Stuttgart: Kohlhammer 2011.
• Peter Stalder: Der Kulturkampf in der Schweiz. Frauenfeld: Huber 1984.
• Willibald Steinmetz: Europa im 19. Jahrhundert. Frankfurt am Main: S. Fischer 2019.
• Lukas Vischer et.al. (Hg.), Ökumenische Kirchengeschichte der Schweiz, Fribourg: Paulus 1998).
• Johannes Wallmann: Kirchengeschichte Deutschlands seit der Reformation, Tübingen 2000.
Bemerkungen Workspace wird eingerichtet.

 

Teilnahmebedingungen Keine.
Anmeldung zur Lehrveranstaltung Belegen.
Unterrichtssprache Deutsch
Einsatz digitaler Medien kein spezifischer Einsatz
HörerInnen willkommen

 

Intervall wöchentlich
Datum 25.02.2022 – 03.06.2022
Zeit Freitag, 10.15-12.00 Kollegienhaus, Hörsaal 119
Datum Zeit Raum
Freitag 25.02.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 119
Freitag 04.03.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 119
Freitag 11.03.2022 10.15-12.00 Uhr Fasnachtsferien
Freitag 18.03.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 119
Freitag 25.03.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 119
Freitag 01.04.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 119
Freitag 08.04.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 119
Freitag 15.04.2022 10.15-12.00 Uhr Ostern
Freitag 22.04.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 119
Freitag 29.04.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 119
Freitag 06.05.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 119
Freitag 13.05.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 119
Freitag 20.05.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 119
Freitag 27.05.2022 10.15-12.00 Uhr Auffahrt
Freitag 03.06.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 119
Module Modul: Antike / monotheistische / aussereuropäische Religionen (Bachelor Studienfach Religionswissenschaft)
Modul: Christentumsgeschichte (Masterstudium: Theologie)
Modul: Neuere Kirchen- und Theologiegeschichte (KG 4) (Bachelorstudium: Theologie)
Modul: Neuere Kirchen- und Theologiegeschichte (KG 4) (Bachelor Studienfach Theologie)
Leistungsüberprüfung Leistungsnachweis
Hinweise zur Leistungsüberprüfung mündliche Prüfung
An-/Abmeldung zur Leistungsüberprüfung Anmelden: Belegen; Abmelden: Dozierende
Wiederholungsprüfung eine Wiederholung, bester Versuch zählt
Skala 1-6 0,5
Wiederholtes Belegen beliebig wiederholbar
Zuständige Fakultät Theologische Fakultät, studiendekanat-theol@unibas.ch
Anbietende Organisationseinheit Fachbereich Theologie

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