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65657-01 - Seminar: Prometheus: Facetten eines griechischen Helden des Widerstands in der griechischen Literatur 3 KP

Semester Herbstsemester 2022
Angebotsmuster einmalig
Dozierende Anton F.H. Bierl (a.bierl@unibas.ch, BeurteilerIn)
Inhalt Die Figur des Prometheus, insbesondere in der klassischen Form der in der Antike dem Aischylos zugeschriebenen Tragödie des Gefesselten Prometheus, konnte bis heute eine ungeheure Wirkung entfalten, vor allem jenseits der engen Zirkel der Philologie, die in der Neuzeit Aischylos die Autorschaft abspricht. Für Karl Marx war Prometheus ein Säulenheiliger. In seiner Dissertation von 1841 bezeichnete er ihn als »den vornehmsten Heiligen und Märtyrer im philosophischen Kalender«. Friedrich Nietzsche verehrte den titanischen Rebellen und stellte ihn als Sinnbild des Künstlers, der gegen Gott und die etablierte Philologie freveln muss, auf das Cover der Geburt der Tragödie (1872).
“Prometheus gilt also als Inbegriff des Widerständigen, des kreativen Freidenkers gegen Theologie, Christentum und wissenschaftliches Mainstream-Zunft-Denken, des modernen Rebellen, Revolutionärs und Klassenkämpfers, der für die Interessen der Unterdrückten und des Proletariats eintritt. Spätestens seit Goethes Sturm und Drang-Ode (1772–1774) wurde Prometheus zum Symbol der Moderne. Der Gefesselte Prometheus war neben dem König Ödipus lange Zeit die bekannteste antike Tragödie mit der größten Ausstrahlung. Politik, Befreiung und Fortschritt stehen hier neben dem Interesse für die eigene Psyche und die totale Selbsterforschung des Subjekts, die den Sophokles-Klassiker auszeichnen. Beiden Dramen gemeinsam ist der Entwurf einer neuen Individualität, die sich von den Fesseln der Götter löst.” (A. Bierl)
Im Griechischen wurde der Mythos auch noch anders bewertet. Nach Jean-Pierre Vernant dient die Figur gerade bei Hesiod der anthropologischen Definition der Stellung des Menschen zwischen Gott und Tier. Mit dem Pandoramythos geht es auch Rolle der Frau.
Im Seminar wollen wir in Auszügen die zentralen Stellen gemeinsam lesen und interpretieren: Wir beginnen mit Hesiods Darstellung des Helden und Trickstergottes in der Theogonie (507, bes. 521–616) und in den Werken und Tagen (42–105). Nach dem pseudo-aischyleischen Gefesselten Prometheus und anderen Reflexen der Figur im Drama kommen wird zuletzt auf Platons Darstellung im Protagoras 320c–323a.
Lernziele – philologische und historisch-kritische Lektüre des Texts
– Vertrautwerden mit wichtigen Forschungsproblemen
– Verbesserung der Lesefertigkeit
– Konzept der Arbeit am Mythos
– Vertrautwerden mit der Figur des Prometheus
– Textkritik und Kommentierung
– Vertrautwerden mit der Gattung der Tragödie und mit dem hesiodesichen Epos
– Vertrautwerden mit Fragen der Interpretation
– Erlernen von philologischen sowie kultur- und literaturwiss. Interpretationsmodellen
– Erlernen von wiss. Diskussion und schriftlichen Seminararbeiten
– Einblicke in die attische Alltagskultur Athens und die zeithistorische Verankerung der Autoren
– Einsicht in das Prinzip der Mythopoetik
– Einsicht in Performance, Ritualität und Performativität
Literatur Zu Aischylos’ Desmotes

Gesamtausgabe
West, M. L.: Aeschyli tragoediae cum incerti poetae Prometheo, Stuttgart 19982 (ed. corr.)

Allgemeines zu Aischylos
Föllinger, S.: Aischylos: Meister der griechischen Tragödie, München 2009
Meier, C.: Die politische Kunst der griechischen Tragödie, München 1988
Reinhardt, K.: Aischylos als Regisseur und Theologe, Bern 1949

Kommentare
Conacher, D. J.: Aeschylus’ Prometheus Bound. A Literary Commentary, Toronto 1980
Griffith, M.: Aeschylus. Prometheus Bound, Cambridge 1983
Podlecki, A. J.: Aeschylus. Prometheus Bound, ed. with an introduction, translation and commentary, Oxford 2005

Hesiod
Hesiodi Carmina, recensuit A. Rzach. Lipsiae 1913; Nachdruck Stuttgart 1958
M. L. West, Hesiod: Theogony. Edited with Prolegomena and Commentary, Oxford 1966, reprinted 1971
Hesiod Works & Days, Edited with Prolegomena and Commentary, Oxford 1978, reprinted 1980

Bemerkungen Auch geeignet für die Zertifikate ”Ancient Greek and Modern Theatre & Performance Studies” und “Literatur und Religion: Mythopoetik". Interessierte HörerInnen sind nach Anfrage willkommen!

 

Teilnahmebedingungen Griechisches Proseminar (nach Absprache sind auch Gäste will¬kom¬men!); regelmässige und aktive Teilnahme, Präparation des Textes. Möglichst der Besuch der Helden–Vorlesung.
Unterrichtssprache Deutsch
Einsatz digitaler Medien kein spezifischer Einsatz
HörerInnen willkommen

 

Intervall wöchentlich
Datum 26.09.2022 – 19.12.2022
Zeit Montag, 10.15-11.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 184
Datum Zeit Raum
Montag 26.09.2022 10.15-11.45 Uhr Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 184
Montag 03.10.2022 10.15-11.45 Uhr Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 184
Montag 10.10.2022 10.15-11.45 Uhr Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 184
Montag 17.10.2022 10.15-11.45 Uhr Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 184
Montag 24.10.2022 10.15-11.45 Uhr Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 184
Montag 31.10.2022 10.15-11.45 Uhr Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 184
Montag 07.11.2022 10.15-11.45 Uhr Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 184
Montag 14.11.2022 10.15-11.45 Uhr Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 184
Montag 21.11.2022 10.15-11.45 Uhr Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 184
Montag 28.11.2022 10.15-11.45 Uhr Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 184
Montag 05.12.2022 10.15-11.45 Uhr Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 184
Montag 12.12.2022 10.15-11.45 Uhr Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 184
Montag 19.12.2022 10.15-11.45 Uhr Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 184
Module Modul: Antike / monotheistische / aussereuropäische Religionen (Bachelor Studienfach Religionswissenschaft)
Modul: Griechische Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte BA (Bachelor Studiengang Altertumswissenschaften)
Modul: Griechische Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte BA (Bachelor Studienfach Altertumswissenschaften)
Modul: Griechische Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte MA (Master Studienfach Gräzistik)
Modul: Griechische Religionswissenschaft und Mythologie (Bachelor Studiengang Altertumswissenschaften)
Modul: Griechische Religionswissenschaft und Mythologie (Bachelor Studienfach Altertumswissenschaften)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Italianistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studiengang Altertumswissenschaften)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Altertumswissenschaften)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Hispanistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Nordistik (Studienbeginn vor 01.08.2022))
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Deutsche Philologie)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Englisch)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Französistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Nordistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Deutsche Philologie)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Hispanistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Nordistik (Studienbeginn vor 01.08.2022))
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Latinistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Französistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Slavistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Nordistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Deutsche Literaturwissenschaft)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Italianistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Englisch)
Modul: Literaturgeschichte (Master Studiengang Literaturwissenschaft)
Leistungsüberprüfung Lehrveranst.-begleitend
Hinweise zur Leistungsüberprüfung Regelmässige und aktive Teilnahme. Jede Teilnehmerin/ jeder Teilnehmer sollte für die Lektüre für ca. 2 Sitzungen verantwortlich sein; ein Hauptreferat, ausführliches wissenschaftliches Referat zu einer Textstelle mit einer Fragestellung und unter Heranziehung aller wissenschaftlichen Hilfsmittel, evt. Kurzreferate; zum wissenschaftlichen Referat: Darstellung möglichst auf 45-55 Minuten beschränken; dazu kurzes Thesenpapier
An-/Abmeldung zur Leistungsüberprüfung Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich
Wiederholungsprüfung keine Wiederholungsprüfung
Skala Pass / Fail
Wiederholtes Belegen nicht wiederholbar
Zuständige Fakultät Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch
Anbietende Organisationseinheit Fachbereich Gräzistik

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