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65994-01 - Vorlesung: Marranen: eine (literarische) Geschichte der iberischen Juden und Conversos 2 KP

Semester Herbstsemester 2022
Angebotsmuster einmalig
Dozierende Harm Den Boer (harm.denboer@unibas.ch, BeurteilerIn)
Inhalt Marranen
Der Begriff, “Marranen”, ist in der deutschen Sprache, wie man aus der reichhaltig diversen Bibliographie entnehmen kann, mit einer Vielfalt von Bedeutungen und verschiedenen Werten beladen. So finden sich Werke über ihre Geschichte wie “Bei den Marranen in Portugal” (1947), Tragödien in fünf Akten und eine grosse Menge an Geschichten/Berichten über die Verfolgung der Marranen durch die spanische oder portugiesische Inquisition. In der Tat begeben wir uns auf die Reise durch ein dichtes Flickwerk von Geschichten wobei sich Fakt und Fiktion des Öfteren vermischen. Ihnen allen gemein ist die Verwurzelung ihres narrativen Kerns in den dramatischen Ereignissen die sich auf der Iberischen Halbinsel abgespielt haben.
Die Geschichte der Marranen beginnt im Grunde genommen im letzten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts. Jahrzehnte geprägt von Pest, Hungersnöten und Bürgerkrieg waren der Katalysator für einen regelrechten Bruch der christlich-jüdischen Beziehungen in Kastilien und Aragon. So kam es, dass im Sommer des Jahres 1391, Priester und aufgebrachte Mengen in die jüdischen Quartiere in Sevilla, Valencia, Barcelona und vielen weiteren Städten stürmten und die dort anwesenden Bewohner entweder ermordeten oder zwangskonvertieren. Ein Jahrhundert später erliessen die Katholischen Könige das Alhambra-Edikt, in welchem die Verbreibung oder Konvertierung der verbliebenen Juden angeordnet wurde und somit das Ende des einst so ruhmreichen und blühenden spanischem Judentum zementierte. Die nun getauften Juden und ihre Nachkommen wurden als “Neu-Christen”, “Conversos” oder eben “Marranen” bezeichnet.
Die Integration bzw. religiöse Instruktion der Marranen verlief keineswegs konflikt- und reibungslos. Viele der sogenannten “Alt-Christen” misstrauten den Neuchristen und glaubten dass sie ihrem alten Glauben im Geheimen anhingen und, als Christen getarnt, die christliche Ordnung zu unterwandern versuchten. Das Wort “Marrane” ist selbst ein Zeugnis dieser feindseligen Haltung. Etymologisch stammt der Begriff wohl von einer spanischen Bezeichnung für “Schwein” ab und wurde von Anfang an stets als Schimpfwort gegen getaufte Juden und ihre Nachkommen verwendet. Innerhalb dieser von Missgunst, Furcht und Misstrauen geprägten Umstände wurde die Inquisition und die Statuten der “Reinheit des Blutes” zu zentralen Instrumenten der Überwachung und für die Beibehaltung des gesellschaftlichen Status Quo. In den folgenden Jahrzehnten sollten einige dieser Neuchristen im Ausland wieder zu ihrem jüdischen Glauben zurückkehren und sogar ganze Gemeinden von "Neujuden" gründen.
In der Vorlesung werden die die Vorgeschichte der Vertreibung, das Phänomen der Konversion, Überwachung durch die Inquisition und Überlebensstrategien behandelt. Weitere wichtige Punkt sind die Hintergründe der neujüdischen Gemeinden und die Prozesse die hinter der Etablierung eben jener steckte. Eng damit verbunden werden die Handelsaktivitäten der Nação*, ihr Denken und ihre Literatur untersucht.
* Nação: Benennung der portugiesischen Nation, wobei Herkunft, Ethnie und Handelsaktivität eng verwoben sind.

Themen

• Geschichte der Juden in Spanien und Portugal (Mittelalter)
• Krisen, Verfolgung, Vertreibung: 1391-1492-1497
• Konversionen. Neuchristen als Bedrohung? Statuten des Reinheit des Blutes
• Inquisition und Marranismus
• Fallstudie im 15. Jahrhundert: der Prozess des Corregidor Diego López León (Toledo)
• Die Nação zwischen zwei Feuer (1580-1640)
• Neujuden an der Nordsee
• Kastilien und Spanisch Amerika
• Doppelleben: Antonio Enríquez Gómez (1600-1663)
• Kulturelle Erziehung
• Wiederentdeckung der Marranen durch die deutsche Haskala
• Geheime Juden in Portugal und den VS im 20. Jahrhundert
Literatur Eine akutelle deutschsprachige Monographie zum Thema ist derzeit nicht vorhanden. Daher wird pro Thema/Woche ein Literaturverzeichnis gegeben.
Empfehlenswert als allgemeine Monographie:
Carsten Wilke, Histoire des juifs portugais. Paris: Chandeigne, 2007.
Bemerkungen Das Unterricht findet in deutscher Sprache statt. Historische und literarische Texte werden in Originalsprache (Spanisch, in Einzelfälle Portugiesisch) gezeigt, mit deutscher Übersetzung/Kurzfassung.

 

Teilnahmebedingungen keine
Unterrichtssprache Deutsch
Einsatz digitaler Medien kein spezifischer Einsatz
HörerInnen willkommen

 

Intervall wöchentlich
Datum 23.09.2022 – 23.12.2022
Zeit Freitag, 10.15-12.00 Kollegienhaus, Hörsaal 114
Datum Zeit Raum
Freitag 23.09.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 114
Freitag 30.09.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 114
Freitag 07.10.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 114
Freitag 14.10.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 114
Freitag 21.10.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 114
Freitag 28.10.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 114
Freitag 04.11.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 114
Freitag 11.11.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 114
Freitag 18.11.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 114
Freitag 25.11.2022 10.15-12.00 Uhr Dies Academicus
Freitag 02.12.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 114
Freitag 09.12.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 114
Freitag 16.12.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 114
Freitag 23.12.2022 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 114
Module Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Nordistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Deutsche Philologie)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Englisch)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Französistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Italianistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studiengang Altertumswissenschaften)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Nordistik (Studienbeginn vor 01.08.2022))
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Altertumswissenschaften)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach Hispanistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Hispanistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Nordistik (Studienbeginn vor 01.08.2022))
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Italianistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Englisch)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Latinistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Französistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Slavistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Nordistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Deutsche Literaturwissenschaft)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach Deutsche Philologie)
Modul: Literatur aus Spanien und Lateinamerika vor 1700 (Bachelor Studienfach Hispanistik)
Modul: Literaturgeschichte (Master Studiengang Literaturwissenschaft)
Modul: Spanische Literaturwissenschaft (Master Studienfach Hispanistik)
Modul: Vertiefung Literatur und Religion (Bachelor Studienfach Jüdische Studien)
Wahlbereich Bachelor Jüdische Studien: Empfehlungen (Bachelor Studienfach Jüdische Studien)
Leistungsüberprüfung Leistungsnachweis
Hinweise zur Leistungsüberprüfung Take-Home Klausur mit 8 Fragen, wovon 5 beantwortet werden sollen; alternativ kann ein Essay zu einem Thema von etwa 6 Seiten geschrieben werden. Die Klausur wird Ende November verteilt.
An-/Abmeldung zur Leistungsüberprüfung Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich
Wiederholungsprüfung eine Wiederholung, Wiederholung zählt
Skala Pass / Fail
Wiederholtes Belegen nicht wiederholbar
Zuständige Fakultät Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch
Anbietende Organisationseinheit Fachbereich Iberoromanistik

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