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| Semester | Herbstsemester 2026 |
| Angebotsmuster | einmalig |
| Dozierende | Matthias Hornschuh (matthias.hornschuh@unibas.ch, BeurteilerIn) |
| Inhalt | Der frz. Musikstreamingdienst DEEZER teilte im Frühjahr 26 mit, an jedem einzelnen Tag würden 75.000 KI-generierte Tracks auf die Plattform hochgeladen. Im Januar 25 waren es noch 10.000 gewesen. Eine Studie von graphite.io belegte im selben Monat, dass inzwischen knapp 54% aller neu veröffentlichen Scientific Papers KI-generiert sind. Die synthetische Musik wird gehört, erinnert, geteilt. Die generierten wissenschaftlichen Veröffentlichungen werden rezipiert und zitiert. Nachdem das Weltwissen unter rechtlich hoch umstrittenen Bedingungen für das Training der KI-Modelle genutzt wurde, fließen die generierten Inhalte nun zurück in den Bestand ebendieses Weltwissens - und verändern damit die Welt. Wissen ist prozedural, während die der KI zugeführten Daten statisch und unkontextualisiert sind. Also wird die Welt angereichert - und das ist ein Spezifikum generativer KI - mit einem wahrscheinlichkeitsbasierten Wissenssurrogat, welches allerdings lediglich den plausiblen Anschein von Wissen erweckt - ohne jedes Verstehen, ohne jede Erfahrung. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Herrscher der derzeit beherrschenden außereuropäischen KI-Dienste explizite Gegner jedes vermeintlich „woken“ Diversitätsdenkens sind. Es gilt also, aufmerksam zu beobachten, welche Konsequenzen ihre gezielten Eingriffe in die Algorithmen der Systeme, die so genannten Guard Rails, auf die Repräsentation von Vielfalt in der Welt haben werden. Dass KI-generierte Inhalte jedweder Art und Form unsere Welt überschwemmen und dadurch verändern würden, war absehbar. Unerwartet ist das Tempo, in dem der technologische Wandel sich vollzieht - und zur Herausforderung für die Gesellschaft wird. Denn Kulturwandel, die Entwicklung angepasster, ggf. neuer Werte und Normen, neuer adaptiver Regeln und damit der Grundlagen für die nötigen Anpassungen und Fortschreibungen des Rechts, vollzieht sich sehr langsam. So prallen beim Thema KI Euphorie und Ablehnung aufeinander. Viele Meinungen offenbaren mangelnde Orientierung etwa in den technologischen, rechtlichen, politischen, psychologischen, kulturellen und kultur- und volkswirtschaftlichen Grundlagen. Dieser Orientierungsmangel existiert auch beim Thema Musik und KI. Dabei sind die Fragen von existenzieller Bedeutung. Wie wird sich Musik entwickeln, was wird aus den Musikberufen? Werden die Menschen in einer Welt des Bespoke Entertainment bzw. einer Audience of One die kulturellen Effekte der Musik, also etwa das Vielfältige und das Gemeinschafts- und Identitätsstiftende verlieren, oder wird „menschengemacht“ zum neuen geldwerten Alleinstellungsmerkmal? Wird der Livemarkt als Ort und Anlass für das letzte nichtdigitalisierbare Gemeinschaftserlebnis weiter wachsen? Weiter gefragt: Kann KI Kunst? Was kann KI eigentlich? Und nicht zuletzt: was ist KI? Das treibt viele kluge Menschen um. Doch indem wir wie gebannt auf die Technologie starren, verlieren wir das Wesentliche aus dem Blick: uns. Also: Was können Menschen, ggf. unter Zuhilfenahme von KI? Und nehmen wir uns vielleicht einfach ein bisschen zu wichtig, wenn wir Intelligenz und Kreativität allein für uns in Anspruch nehmen oder, je nach Perspektive, zumindest unter ausschließlicher Bezugnahme auf uns definieren? Die Übung wird viele Fragen aufwerfen, ein paar Antworten anbieten und insgesamt die Orientierung zu leisten versuchen, an der es mangelt. Der Fokus liegt auf der Musik, bleibt aber notwendigerweise nicht darauf begrenzt. |
| Lernziele | Erwerb von Orientierungswissen zu technologischen Grundlagen und sozialen / kulturellen Implikationen sog, generativer KI. |
| Literatur | Auswahl: - Martin Andree: Big Tech muss weg! Weinheim 2023 - Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Berlin 2025 - Florian Coulmas: Ich, wir und die Anderen. Zürich 2020 - Christoph Engel-Bunsas: Das Recht an der eigenen Stimme. Baden-Baden 2025 - Claudia Hamm (HG): Automatensprache. München 2024 - Matthias Hornschuh: Wir geben uns auf. KI, Kultur und die Entwertung der Wissensarbeit. Heidelberg 2025 - Paul Nemitz, Matthias Pfeffer: Prinzip Mensch. Macht, Freiheit und Demokratie im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Bonn 2020 - Roberto Simanowski: Sprachmschinen. Eine Philosophie der Künstlichen Intelligenz. München 2025 - Sebastian Stober, Tim W. Dornis: „Urheberrecht und Training generativer KI Modelle. Technologische und juristische Grundlagen“ Baden-Baden 2024, Open Access: https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/9783748949558/urheberrecht-und-training-generativer-ki-modelle?page=1 - Dorothea Winter: KI, Kunst und Kitsch. Heidelberg 2024 |
| Unterrichtssprache | Deutsch |
| Einsatz digitaler Medien | kein spezifischer Einsatz |
| HörerInnen willkommen |
| Intervall | Wochentag | Zeit | Raum |
|---|---|---|---|
| Block | Siehe Einzeltermine | ||
| Datum | Zeit | Raum |
|---|---|---|
| Montag 26.10.2026 | 10.00-18.00 Uhr | Musikwissenschaft, Vortragssaal |
| Dienstag 27.10.2026 | 10.00-14.00 Uhr | Musikwissenschaft, Vortragssaal |
| Montag 23.11.2026 | 10.00-14.00 Uhr | Musikwissenschaft, Vortragssaal |
| Montag 30.11.2026 | 10.00-18.00 Uhr | Musikwissenschaft, Vortragssaal |
| Dienstag 01.12.2026 | 10.00-14.00 Uhr | Musikwissenschaft, Vortragssaal |
| Module |
Modul: Musikwissenschaftliche Praxis (Bachelor Studienfach: Musikwissenschaft) Wahlbereich Bachelor Medienwissenschaft: Empfehlungen (Bachelor Studienfach: Medienwissenschaft) Wahlbereich Bachelor Musikwissenschaft: Empfehlungen (Bachelor Studienfach: Musikwissenschaft) |
| Prüfung | Lehrveranst.-begleitend |
| Hinweise zur Prüfung | Praktisch-reflektierende Aufgabe mit Selbsterfahrungsanteilen. Erbringung der Leistung in der letzten Sitzung der Veranstaltung. |
| An-/Abmeldung zur Prüfung | Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich |
| Wiederholungsprüfung | keine Wiederholungsprüfung |
| Skala | Pass / Fail |
| Belegen bei Nichtbestehen | nicht wiederholbar |
| Zuständige Fakultät | Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch |
| Anbietende Organisationseinheit | Fachbereich Musikwissenschaft |