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| Semester | Herbstsemester 2026 |
| Angebotsmuster | einmalig |
| Dozierende | Dagmar Fink (dagmar.fink@unibas.ch, BeurteilerIn) |
| Inhalt | Tagtäglich sind wir mit (Trans)Misogynie in Form von Hasskampagnen gegen Frauen, die nicht patriarchalen Stereotypen entsprechen, in Form von Kampagnen gegen trans Frauen in öffentlichen Räumen und im Sport, in der unerträglich hohen Zahl an Femi(ni)ziden und Morden an trans Frauen, in der Verteilung sowie Vergütung von Care-Arbeit und im Gender Pay Gap konfrontiert, und zwar in einem Ausmaß, das schier unbegreiflich scheint. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht. Vielmehr ist in den letzten Jahren zusätzlich ein massiver Backlash gegen Errungenschaften emanzipatorischer, queerer, anti-rassistischer und anti-kolonialer Bewegungen sowie das Erstarken rechtspopulistischer bis rechtsextremer sowie christlich-nationalistischer Kräfte zu verzeichnen. Grundlage dieser Ideologien sind neben Vorstellungen einer weißen Überlegenheit und Vorherrschaft gerade auch eine binäre und patriarchale Geschlechterordnung, Sexismus sowie die Abwertung alles Weiblichen. Grund genug, uns in diesem Seminar dem komplexen Verhältnis von Misogynie – verstanden als kulturell verankerte Abwertung, Feindseligkeit oder systematische Benachteiligung von Frauen und Weiblichkeit(en) – und den vielfältigen Konstruktionen von Weiblichkeiten in feministischen und queeren Theorien zu widmen. Die Abwertung von Weiblichkeit ist keineswegs eine ‚Erfindung‘ christlich-nationalistischer oder rechtsextremer Ideologien, sie ist, wie u.a. die feministische Philosophin Luce Irigary bereits in den frühen 1970er Jahren festhielt, westlichen Denktraditionen immanent. Weiblichkeit, so Irigaray, lässt sich nicht positiv bestimmen, sondern nur als das Andere des Männlichen, als Nicht-Männlichkeit. Im Seminar werden wir uns entsprechend mit der Konzeption von Weiblichkeit in westlichen Denktraditionen als Fundament von Sexismus, Patriarchat und Misogynie beschäftigen. Im Anschluss betrachten wir Definitionen von Misogynie – auch in Abgrenzung zu Sexismus – sowie von Transmisogynie und Misogynoir – der systematischen und strukturellen Abwertung Schwarzer Weiblichkeiten. Und wir werden danach fragen, warum werden bestimmte Weiblichkeiten (z. B. Schwarze, Arbeiterinnen-, trans Weiblichkeiten) besonders abgewertet – und andere (z. B. weiße, bürgerliche Weiblichkeit) als "normativ" privilegiert wird? Und schließlich werden wir uns jenseits von Abwertung gerade auch mit den kritischen Aneignungen von Weiblichkeiten vor allem in queeren und trans Existenzweisen widmen, wie beispielsweise Femme-(of-Color-)Weiblichkeiten oder trans Weiblichkeiten. Kritische Weiblichkeiten sind hier also in doppeltem Sinne zu vestehen: Als Wreiblichkeiten, die sich kritisch mit patriarchalen Definitionen von Weiblichkeit auseinandersetzen und sich widerständige Formen von Feminität in performativen Praxen aneignen. |
| Lernziele | Die Studierenden sollen nach Absolvierung der LV über fundierte Kenntnisse zur Stellung von Weiblichkeit in westlichen Denktraditionen verfügen, diese darstellen und kontextualisieren können. Sie können die Historizität und Variabilität von Weiblichkeitskonstruktionen identifizieren, analysieren und begründet diskutieren, (trans)misogyne Strukturen erkennen und terminologisch präzise beschreiben. Sie sind vertraut mit Konzepten von Misogynie, Transmisogynie und Misogynoir und können diese reflektieren. Sie sind in der Lage eine intersektionale Perspektive auf Weiblichkeiten anzuwenden (z. B. in Bezug auf Rassifizierung, Klasse, Sexualität, Körper, Dis/Ability). Sie sind darüber hinaus vertraut mit feministischen und queeren Reartikulationen von Weiblichkeit und können diese theoriegeleitet vergleichen und kritisch reflektieren. |
| Literatur | Luce Irigaray, Das Geschlecht, das nicht eins ist.Berlin: Merve, (1977) 1979 Kate Manne, DOWN GIRL. The Logic of Misogyny. N.Y.: Oxford UP, 2018. Andrea Geier, „Logik und Funktion von Misogynie. Probleme und Perspektiven“. ethik und gesellschaft 2/2020, 1-31 Sabine Fuchs (Hrsg.): Femme! radikal - queer – feminin. Berlin: Querverlag, 2009 Jules Gill-Peterson, A Short History of Trans Misogyny. London, N.Y.: Verso, 2024 Julia Serano, Whipping Girl. A Transsexual Woman on Sexism and the Scapegoating of Femininity. 2007 C. Riley Snorton, Black on Both Sides: A Racial History of Trans Identity. Minneapolis: University of Minnesota Press, 2017 Moya Bailey, Misogynoir Transformed: Black Women’s Digital Resistance. N.Y.: NYU Press, 2021 Thalia Bhatt, Trans / Rad /Fem. Eigenverlag, 2025 |
| Unterrichtssprache | Deutsch |
| Einsatz digitaler Medien | kein spezifischer Einsatz |
| Intervall | Wochentag | Zeit | Raum |
|---|---|---|---|
| einmalig | Siehe Einzeltermine | ||
| Datum | Zeit | Raum |
|---|---|---|
| Freitag 18.09.2026 | 12.15-14.00 Uhr | - Online Präsenz -, -- |
| Freitag 20.11.2026 | 12.15-13.00 Uhr | - Online Präsenz -, -- |
| Freitag 27.11.2026 | 12.15-18.00 Uhr | Rheinsprung 21, Seminarraum 00.004 |
| Samstag 28.11.2026 | 10.15-16.00 Uhr | Rheinsprung 21, Seminarraum 00.004 |
| Freitag 11.12.2026 | 12.15-18.00 Uhr | Rheinsprung 21, Seminarraum 00.004 |
| Samstag 12.12.2026 | 12.00-18.00 Uhr | Rheinsprung 21, Seminarraum 00.004 |
| Module |
Modul: Themen und Theorien der Sozialanthropologie (Bachelor Studienfach: Sozialanthropologie) Modul: Theory and Themes of Social Anthropology (Master Studienfach: Social Anthropology) Modul: Zentrale Fragen und Debatten der Geschlechterforschung (Bachelor Studienfach: Geschlechterforschung) |
| Prüfung | Lehrveranst.-begleitend |
| An-/Abmeldung zur Prüfung | Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich |
| Wiederholungsprüfung | keine Wiederholungsprüfung |
| Skala | Pass / Fail |
| Belegen bei Nichtbestehen | nicht wiederholbar |
| Zuständige Fakultät | Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch |
| Anbietende Organisationseinheit | Fachbereich Gender Studies |