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| Semester | Frühjahrsemester 2016 |
| Angebotsmuster | einmalig |
| Dozierende | Markus Rath (markus.rath@unibas.ch, BeurteilerIn) |
| Inhalt | Ebenso wie Einfallsgabe, Übung und Kunstfertigkeit sind Gegenüberstellung, Vergleich und Konkurrenz grundlegende Parameter menschlicher Gestaltung. Die frühesten Belege künstlerischen Wettstreitens (agón, certamen, aemulatio) reichen bis in Frühantike zurück. Zum epochenprägenden Phänomen wurde der Wettstreit indes während der Hochrenaissance. Sowohl ästhetische als auch wirtschaftliche Argumente begleiteten von nun an den künstlerischen Wettbewerb. Durch bildliche und begriffliche Argumentationsstrategien suchten Künstler und Kunsttheoretiker eine Nobilitierung der eigenen Kunstformen zu erreichen, und nicht zuletzt führte diese Argumentationskultur auch zu einer Aufwertung der bildenden Künste per se. Durch die mehrfache Verwendung des Terminus «Paragone» wies Anton Francesco Doni (1513–1574) zwar implizit auf dessen Geläufigkeit hin, doch erst seit der von Guglielmo Manzi 1817 editierten Fassung der im Codex Vaticanus Urbinas Latinus 1270 versammelten Äußerungen und Anweisungen Leonardo da Vincis (1452–1519) wurde der Rangstreit der Künste auf den Begriff Paragone festgelegt. Aus eigenem künstlerischen Schaffen und unterschiedlichen Traditionssträngen - des Humanismus, der Optik und der Naturwissenschaften - speiste sich Leonardos Überzeugung einer höherrangigen Erkenntnisleistung durch Malerei, die seines Erachtens die Kategorie der artes liberales erklimmen und jene gar bekrönen sollte. Die Querelles unterschiedlicher Epochen - ob zwischen Künstlerkollegen oder Stadtstaaten, Bildkünsten und Literatur, Malerei und Skulptur - waren zwar ein stetiger Antrieb für die künstlerische Einfallsgabe, aber dennoch ist der Paragone kaum allein durch Konkurrenz und Wettstreit allumfassend zu beschreiben. In seinem Wortsinne des Vergleiches betrifft er auch die Phänomene des Austausches und der Vereinigung, der Überscheidung und der Aneignung. Seit der frühen Neuzeit erweist sich etwa die Verbindung von Bildhauerei und Malerei sowohl als praktisch vollzogener wie auch als theoretisch reflektierter Prozess, indem Maler als formende Bildhauer ausgebildet wurden und Kunsttheoretiker auf die Bedeutung plastischen Formbewusstseins hinwiesen. Das Seminar zielt neben einer grundlegenden Erschliessung der Paragone-Debatte demnach auch ab auf die Erörterungen und Diskussionen der Momente des Mitstreits, der Überschneidungen und Allianzen zwischen den Gattungen und Künsten. |
| Literatur | - Ausst. Kat.: Wettstreit der Künste. Malerei und Skulptur von Dürer bis Daumier, hg. v. Ekkehard Mai und Kurt Wettengl, München 2002. - Hannah Bader u.a. (Hg.): Im Agon der Künste. Paragonales Denken, ästhetische Praxis und die Diversität der Sinne, München 2007. - Hannah Baader: Paragone, in: Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen, Methoden, Begriffe, hg. v. Ulrich Pfisterer, Stuttgart 2011, S. 321–324. - Oskar Bätschmann: Die Eitelkeit des Wettstreits. Benedetto Varchis Umfrage (1547) und Publikation (1550) zum Paragone, in: Welt – Bild – Museum. Topographien der Kreativität, hg. v. Andreas Blühm/Anja Ebert, Köln 2011, S. 101–120. - Claire Farago: Leonardo da Vincis Paragone. A Critical Interpretations with a New Edition of the Text in the Codex Urbinas, Leiden, New York 1992. - Leatrice Mendelssohn: Paragoni: Benedetto Varchi’s ‚Due Lezzioni‘ and Cinquecento Art Theory, Ann Arbour 1982. - Jan-Dirk Müller, Ulrich Pfisterer: Der allgegenwärtige Wettstreit in den Künsten der Frühen Neuzeit, in: Aemulatio. Kulturen des Wettstreits in Text und Bild (1450–1620), hg. v. Jan-Dirk Müller u.a., Berlin 2011, S. 1–32. - Ulrich Pfisterer: Paragone, in: Historisches Wörterbuch der Rhetorik, hg. v. Gert Ueding, Bd. 6, Tübingen 2003, Sp. 528–546. - Markus Rath/ Yannis Hadjinicolaou/ Joris van Gastel, (Hg.): Paragone als Mitstreit, Berlin 2014. Andreas Schnitzler: Der Wettstreit der Künste. Die Relevanz der Paragone-Frage im 20. Jahrhundert, Berlin 2007. - Benedetto Varchi: Paragone – Wettstreit der Künste, hg. v. Oskar Bätschman/Tristan Weddigen, Darmstadt 2013. |
| Unterrichtssprache | Deutsch |
| Einsatz digitaler Medien | kein spezifischer Einsatz |
| Intervall | Wochentag | Zeit | Raum |
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Keine Einzeltermine verfügbar, bitte informieren Sie sich direkt bei den Dozierenden.
| Module |
Epochenmodul Frühe Neuzeit (Bachelor Studienfach: Kunstgeschichte (Studienbeginn vor 01.08.2013)) Modul Epochenübergreifende Fragestellungen (Bachelor Studienfach: Kunstgeschichte) Modul Frühe Neuzeit (Bachelor Studienfach: Kunstgeschichte) Modul Kunstgeschichte und Interdisziplinarität (Master Studienfach: Kunstgeschichte (Studienbeginn vor 01.08.2013)) Modul Profil: Frühe Neuzeit (Master Studiengang: Kunstgeschichte und Bildtheorie) Modul Vertiefung epochenübergreifender Fragestellungen (Bachelor Studienfach: Kunstgeschichte (Studienbeginn vor 01.08.2013)) Modul Werk und Kontext (Master Studienfach: Kunstgeschichte) Modul Werk und Kontext (Master Studiengang: Kunstgeschichte und Bildtheorie) Modul Werkorientierung (Master Studienfach: Kunstgeschichte (Studienbeginn vor 01.08.2013)) |
| Prüfung | Lehrveranst.-begleitend |
| Hinweise zur Prüfung | - regelmässige aktive Teilnahme sowie Textlektüre - Bereitschaft zur Übernahme eines Referats in Absprache mit dem Dozenten |
| An-/Abmeldung zur Prüfung | Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich |
| Wiederholungsprüfung | keine Wiederholungsprüfung |
| Skala | Pass / Fail |
| Belegen bei Nichtbestehen | nicht wiederholbar |
| Zuständige Fakultät | Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch |
| Anbietende Organisationseinheit | Fachbereich Kunstgeschichte |