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| Semester | Herbstsemester 2018 |
| Angebotsmuster | einmalig |
| Dozierende | Matthias Wittmann (matthias.wittmann@unibas.ch, BeurteilerIn) |
| Inhalt | Der Oktopus hat eine weit zurückreichende Faszinationsgeschichte. Schon in der Antike spielte seine Gestalt als Ornament der Töpferkunst eine ganz besonders prominente Rolle. Hinzu kommen all die Geschichten, die sich um den Oktopus - und allgemeiner: den Kraken – ranken. Erinnert sein hier nur ›en passant‹ an Victor Hugos 'Arbeiter des Meeres' (1866), Herman Melvilles 'Moby Dick' (1851) - in dem nicht nur ein weisser Wal, sonder auch ein weisser Krake eine Rolle spielt -, Jules Vernes '20.000 Meilen unter dem Meer', H.P. Lovecraft Chtulhu-Mythologie oder jüngst China Miévilles Roman 'Kraken' (2010). Auch wenn Oktopoden kulturgeschichtlich betrachtet immer schon ein Faszinosum und Anlass für populäre Mythenbildung waren, scheinen achtarmige – manchmal auch zehnarmige – Tintenfische (Vampyropoda) gegenwärtig eine besondere Hochkonjunktur zu erleben: Die britische TV-Miniserie ›The Future is Wild‹ (2001) nutzt das Potential digitaler Visualisierung, um eine Morphologie der Zukunft zu errechnen, die bevölkert ist von giftigen Landkraken mit Videoschirm-ähnlicher Körperoberfläche. Auch die ›opening title sequence‹ des James Bond-Films ›Spectre‹ (2015) setzt den Oktopus prominent als Personifikation des organisierten Verbrechens ins Bild. In rechtspopulistischen Magazinen findet sich die Krake erneut als antisemitisches Symbol für die jüdische Weltverschwörung wieder, wobei die Tentakel diesmal nicht aus den Rothschilds, sondern aus dem Kopf von George Soros wachsen. Andere Karikaturen wiederum stellen Donald Trump oder Vladimir Putin als mächtig manipulative Oktopoden dar. Gleichzeitig werden ständig neue sensationelle Forschungsergebnisse über Oktopoden publik: So will ein Forscherteam in einer jüngst erschienenen Studie erwiesen haben, dass die Entstehung der Kopffüsser auf cryogekühlte Alien-Eier zurückzuführen sei, die mit Meteoriten auf der Erde landeten. Hinzu kommen zahlreiche Kunstinstallationen, Performances und Experimentalfilme, die sich mit ›tentacular thinking‹ beschäftigen, oftmals im Dialog mit kybernetischen Diskursen, in denen der Oktopus gegenwärtig als Supermodell für ›artifical intelligence‹ firmiert. So propagiert Donna Haraway in ihrem jüngst erschienenen Buch »Staying with the Trouble: Making Kin in the Chthulucene« (2016) ein ›tentakuläres Denken‹, welches das Anthropozän mit seinen etablierten Wissensstrukturen überwinden soll. Es gilt zu begreifen, warum Oktopoden uns und unser Imaginäres (Caillois) so unfassbar ergreifen. Das Seminar bietet Gelegenheit, der Faszinationsgeschichte des Oktopus entlang einer Fülle an Text- und Bildmaterial nachzugehen. Aus medienreflexiver, technikphilosophischer, kybernetischer, screenologischer, anthropologischer, phänomenologischer und gesellschaftspolitischer Perspektive sollen verschiedene Blicke an das Phänomen ›Oktopus‹ herangeführt werden, um diese Blicke immer wieder auch eine Destabilisierung erfahren zu lassen. Wer also strenge Zoologie oder Biologie erwartet, wird sich in diesem Seminar wenig angesprochen fühlen, auch wenn (krypto-)zoologische, (meeres-)biologische und kognitionswissenschaftliche Texte Berücksichtigung finden werden. Vielmehr geht es um die Frage, welche Oktopusgestalten Wissenschaft und Kunst, Science und Fiction mit ihren jeweilige Techniken der Wissensproduktion hervorgebracht haben und wie sich dieses Wissen mit Hilfe des Oktopus – als Verkörperung eines radikal anderen Wissens – verunsichern lässt. Entlang des Oktopus lässt sich ein faszinierendes ›Fadenspiel‹ (Haraway) entspinnen, das Fiktion und Fakt verbindet, Natur- als Kulturgeschichte betrachtbar macht und vor allem einlädt, den 'Oktopus als Medium' und die 'Medien als Oktopoden' zu reflektieren. |
| Literatur | Roger Caillois: Der Krake. Versuch über die Logik des Imaginativen, München 1986 (OA 1973) |
| Bemerkungen | Die Aufnahmekapazität des Seminars beschränkt sich auf 30 Teilnehmer_innen. |
| Teilnahmevoraussetzungen | Abgeschlossenes Basisstudium AES. |
| Anmeldung zur Lehrveranstaltung | Die Aufnahmekapazität des Seminars beschränkt sich auf 30 Teilnehmer_innen. |
| Unterrichtssprache | Deutsch |
| Einsatz digitaler Medien | kein spezifischer Einsatz |
| Intervall | Wochentag | Zeit | Raum |
|---|
Keine Einzeltermine verfügbar, bitte informieren Sie sich direkt bei den Dozierenden.
| Module |
Modul: Aufbaustudium Medienästhetik (Bachelor Studienfach: Medienwissenschaft) |
| Prüfung | Lehrveranst.-begleitend |
| Hinweise zur Prüfung | Lehrveranst.-begleitend. |
| An-/Abmeldung zur Prüfung | Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich |
| Wiederholungsprüfung | keine Wiederholungsprüfung |
| Skala | Pass / Fail |
| Belegen bei Nichtbestehen | nicht wiederholbar |
| Zuständige Fakultät | Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch |
| Anbietende Organisationseinheit | Fachbereich Medienwissenschaft |