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Semester | Frühjahrsemester 2021 |
Angebotsmuster | einmalig |
Dozierende | Clea Wanner (clea.wanner@unibas.ch, BeurteilerIn) |
Inhalt | Ob im Kino oder vor dem Computer- und Fernsehbildschirm die Figur (menschlich oder nicht-menschlich) bestimmt massgeblich unser filmisches Erlebnis. Sie bietet während der Rezeption mehrheitlich den Brennpunkt der Aufmerksamkeit: Wir betrachten ihr Handeln und Erleben, mit ihnen fühlen wir mit oder identifizieren uns sogar. Das Proseminar setzt sich mit verschiedenen Konzeptionen der filmischen Figur auseinander und untersucht insbesondere das Zusammenspiel von Erzählperspektive(n) und Figur(en). Wie präsentiert der Film Informationen über das Geschehen und was erfahren wir Zuschauer*innen über das Wissen der Figuren, über ihr Erleben und Wahrnehmen der Welt? Die Behandlung solcher Fragen verlangt ein Analyseinstrumentarium, das die spezifischen Möglichkeiten des Films berücksichtigt und auch die auditive und visuelle Fokalisierung des Films miteinschliesst. Neben der Lektüre und Analyse theoretischer und methodischer Texte aus der Filmnarratologie werden die erarbeiteten Konzepte anhand konkreter Filmbeispiele aus dem osteuropäischen Kino diskutiert. Ziel ist es, ausgehend von dem Verhältnis ‘Figur und Perspektive’ Entwicklungen bestimmter Erzählinstanzen in der osteuropäischen Filmgeschichte nachzuzeichnen. Damit wollen wir konventionelle Muster thematisieren, die sich im Lauf der Zeit entwickelt und verfestigt haben, aber auch komplexe Erzählformen analysieren: Filme, die die etablierten Strukturen der klassischen Narration bewusst unterlaufen und somit die Aktivität des Publikums fordern. Filme, die eine eindeutige Leseart verwehren und damit auch subversives, politisches Potential haben. Ausgehend von Klassikern des osteuropäischen Kinos sowie auch von weniger bekannten Filmen unternimmt das Proseminar eine Reise durch 100 Jahre Filmgeschichte. Dazu gehören die neuen Stars des frühen Stummfilms, die Repräsentation der Masse im Avantgarde-Kino der 1920er Jahre (Bronenosec Potemkin, 1925), die zahlreichen Heldenfiguren aus dem sozrealistischen Kino unter Stalin, aber auch die neuen Filmheld*innen der Nachkriegsjahre. Denn nachdem sich das Individuum über Jahre dem Schicksal des Kollektivs fügen musste, fokussierte sich das Kino nun auf Einzelschicksale. Die subjektive Perspektive als zentrales Mittel der Intimisierung der Figur wurde wiederentdeckt (Letjat žuravli, 1957). Daran anschliessend werden auch die Erneuerungsbewegungen der 1960er und 70er Jahre im (ost-)europäischen Kino Thema sein. Der radikale Formenwandel brachte vielstimmig fokalisierte Welten hervor. Für Ambivalenzen sorgten etwa Doppelgängerinnen (Sedmikrásky, 1966), verschiedene Formen pluraler Figurenkonstellationen und alternativer Handlungsverläufe (Kinoautomat, 1967), sowie die unschuldige, entlarvende Erzählperspektive eines Kindes (Otac na službenom putu, 1985). Abschliessend wird ein Blick auf das Gegenwartskino geworfen, das mit unterschiedlichen Strategien einen neuen, subjektiven Zugang zur Wirklichkeit konstruiert, wie z.B. mit dokumentarischen Verfahren, dem Einbezug von anderen audiovisuellen Medien oder mit dem Modell der ‘mulitple-draft narratives’. Diese Filme bieten einen alternativen Blick auf die Welt und die Geschichte und laden zugleich ein, über den eingeschränkten Blick des Films sowie der Zuschauenden, also über den eigenen Blick, nachzudenken. Ein solche diachrone Betrachtung kann schliesslich auch offenlegen, wie die Konstruktion von Figuren und die damit verbundenen Verfahren filmischen Erzählens historisch bedingt sind, wie sie in einem bestimmten ästhetischen Bezugsrahmen stehen und in historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontexte eingebunden sind. |
Lernziele | Im Proseminar werden die Grundlagen des wissenschaftlichen Umgangs mit Film vertieft und mit bedeutenden Konzepten aus der filmischen Erzähltheorie erweitert. Ziel ist es, die diversen Filme aus verschiedenen Epochen, Genres und Regionen in ihren narrativen, ästhetischen und kulturhistorischen Dimensionen kritisch zu untersuchen und vergleichen. |
Bemerkungen | - Das Proseminar "Einführung in die Filmanalyse" ist keine obligatorische Voraussetzung, das Proseminar kann auch ohne diese Vorkenntnisse besucht werden. - Kenntnisse einer osteuropäischen/slavischen Sprache sind nicht Voraussetzung. - Studierende, für die der mögliche Wechsel zum Präsenzunterricht (ab 12.4) problematisch ist, werden gebeten sich frühzeitig an die Dozentin zu wenden, dann wird zu einer hybride Unterrichtsform gewechselt. - Bei einer Überschneidung mit dem Kurs "Tschechisch II" bitte sich bei Georg Escher und Clea Wanner melden. |
Unterrichtssprache | Deutsch |
Einsatz digitaler Medien | kein spezifischer Einsatz |
HörerInnen willkommen |
Intervall | Wochentag | Zeit | Raum |
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wöchentlich | Montag | 14.15-15.45 | Nadelberg 8 |
Datum | Zeit | Raum |
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Montag 01.03.2021 | 14.15-15.45 Uhr | - Online Präsenz -, -- |
Montag 08.03.2021 | 14.15-15.45 Uhr | - Online Präsenz -, -- |
Montag 15.03.2021 | 14.15-15.45 Uhr | - Online Präsenz -, -- |
Montag 22.03.2021 | 14.15-15.45 Uhr | - Online Präsenz -, -- |
Montag 29.03.2021 | 14.15-15.45 Uhr | - Online Präsenz -, -- |
Montag 05.04.2021 | 14.15-15.45 Uhr | Ostern |
Montag 12.04.2021 | 14.15-15.45 Uhr | - Online Präsenz -, -- |
Montag 19.04.2021 | 14.15-15.45 Uhr | - Online Präsenz -, -- |
Montag 26.04.2021 | 14.15-15.45 Uhr | - Online Präsenz -, -- |
Montag 03.05.2021 | 14.15-15.45 Uhr | - Online Präsenz -, -- |
Montag 10.05.2021 | 14.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
Montag 17.05.2021 | 14.15-15.45 Uhr | - Online Präsenz -, -- |
Montag 24.05.2021 | 14.15-15.45 Uhr | Pfingstmontag |
Montag 31.05.2021 | 14.15-15.45 Uhr | - Siehe Bemerkung, Fällt aus |
Module |
Modul: Visuelle Medien in Osteuropa (Bachelor Studiengang: Osteuropa-Studien) Modul: Visuelle Medien in Osteuropa (Bachelor Studienfach: Osteuropäische Kulturen) |
Prüfung | Lehrveranst.-begleitend |
An-/Abmeldung zur Prüfung | Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich |
Wiederholungsprüfung | keine Wiederholungsprüfung |
Skala | Pass / Fail |
Belegen bei Nichtbestehen | nicht wiederholbar |
Zuständige Fakultät | Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch |
Anbietende Organisationseinheit | Fachbereich Slavistik |