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77793-01 - Vorlesung: Von Dostojewski bis Sajko: Wahnsinn in den osteuropäischen Literaturen (2 KP)

Semester Frühjahrsemester 2026
Angebotsmuster einmalig
Dozierende Anna Hodel Laszlo (anna.hodel@unibas.ch, BeurteilerIn)
Inhalt Die Vorlesung geht von einer Gegenwart aus, in der Krisen, Gewalt und politische Zumutungen allgegenwärtig sind – oft schwer einzuordnen, sprachlich kaum zu fassen, psychisch kaum zu bewältigen. Vor diesem Hintergrund fragt sie danach, wie literarische Figurationen des Wahnsinns in Ost- und Südosteuropa zu einem zentralen ästhetischen, epistemischen und gesellschaftlichen Reflexionsraum wurden – und bis heute bleiben.

Ausgehend von Fedor Dostojewski, dessen psychisch zerrissene Figuren Europas literarischen Blick auf die Abgründe des Subjekts nachhaltig geprägt haben, verfolgt die Veranstaltung Motivlinien psychischer Entgrenzung in Werken u. a. von Nikolaj Gogol, Lesja Ukrajinka, Michail Bulgakow, Karel Čapek, Andrej Platonow, Wenedikt Jerofejew, Witold Gombrowicz, Bohumil Hrabal, Sanja Iveković, Ladislav Klíma, Swetlana Alexijewitsch, Olga Tokarczuk, Serhij Žadan, Alhierd Bacharevič und Ivana Sajko. Die Lektüren spannen einen Bogen vom 19. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart und machen sichtbar, wie Wahnsinn immer wieder dort auftaucht, wo gesellschaftliche Ordnungen brüchig werden, politische Gewalt in den Alltag einsickert oder Identitäten unter Druck geraten.
Wahnsinn wird dabei nicht als klinische Kategorie verstanden, sondern als kulturelles Modell, das Grenzerfahrungen, Identitätskonflikte und gesellschaftliche Spannungen sichtbar macht. Die theoretische Verortung verbindet ästhetische Paradigmen – von romantischer Genialitätsästhetik über modernistische Fragmentierung bis zu postmodernen und postsowjetischen Dekonstruktionen – mit historischen psychodiskursiven Ordnungen: von romantischen Seelenkonzepten über psychiatrische Klassifikationen des 19. Jahrhunderts bis zu psychoanalytischen, sowjetischen und postsowjetischen Wissensformen über Abweichung und Trauma.
Als ästhetische Strategie – etwa groteske Überzeichnung, narrative Fragmentierung, unzuverlässiges Erzählen oder performative Sprachgesten – dient Wahnsinn häufig dazu, gesellschaftliche Widersprüche und politische Gewalt zu reflektieren: bei Bohumil Hrabal als poetische Überfülle des Realsozialismus, bei Ladislav Klíma als metaphysischer Exzess, bei Serhij Žadan als postsozialistische Identitätserschütterung und bei Ivana Sajko als feminisierte Form traumatisierter Gegenwart.
Vergleichende Lektüren zeigen, wie literarische Figuren an die Grenzen des Sagbaren geraten und dort neue, prekäre Formen von Wahrheit, Kritik oder Widerstand entwickeln. Zugleich reflektiert die Vorlesung die ethischen Herausforderungen der Darstellung psychischer Devianz – zwischen ästhetischer Erkenntnis, politischer Kritik und der Gefahr von Stigmatisierung.
So entsteht ein Panorama osteuropäischer Kulturgeschichte, in dem Wahnsinn zugleich Spiegel, Störung und Erkenntnismodus ist.
Lernziele – Analyse literarischer Darstellungen von Wahnsinn als ästhetische Strategien in ihren historischen, politischen und sozialen Kontexten.
– Verständnis zentraler kultur- und ideengeschichtlicher Entwicklungen Ost- und Südosteuropas vom 19. bis zum 21. Jahrhundert.
– Anwendung theoretischer Modelle zu Wahnsinn, Abweichung und Trauma auf literarische, dramatische und performative Texte.
– Kritische Reflexion ethischer Fragen der Repräsentation psychischer Devianz zwischen Erkenntnis, Stigmatisierung und Widerstand.
Literatur Wird zu Beginn des Semesters bekanntgegeben.
Mitlesen ist freiwillig; zentrale Textfragmente werden auf ADAM in Original und Übersetzung bereitgestellt.
Für eine Einstimmung bieten die titelgebenden Werke einen Anfang: Fedor Dostojewski: Aufzeichnungen aus dem Kellerloch / Ivana Sajko: Auf dem Weg zum Wahnsinn (und zur Revolution)

 

Teilnahmevoraussetzungen Keine
Unterrichtssprache Deutsch
Einsatz digitaler Medien kein spezifischer Einsatz
HörerInnen willkommen

 

Intervall Wochentag Zeit Raum
wöchentlich Donnerstag 10.15-12.00 Kollegienhaus, Hörsaal 117

Einzeltermine

Datum Zeit Raum
Donnerstag 19.02.2026 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 117
Donnerstag 26.02.2026 10.15-12.00 Uhr Fasnachtswoche
Donnerstag 05.03.2026 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 117
Donnerstag 12.03.2026 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 117
Donnerstag 19.03.2026 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 117
Donnerstag 26.03.2026 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 117
Donnerstag 02.04.2026 10.15-12.00 Uhr Osterwoche
Donnerstag 09.04.2026 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 117
Donnerstag 16.04.2026 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 117
Donnerstag 23.04.2026 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 117
Donnerstag 30.04.2026 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 117
Donnerstag 07.05.2026 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 117
Donnerstag 14.05.2026 10.15-12.00 Uhr Auffahrt
Donnerstag 21.05.2026 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 117
Donnerstag 28.05.2026 10.15-12.00 Uhr Kollegienhaus, Hörsaal 117
Module Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Slavistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Englisch)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Deutsche Philologie)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Französistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Hispanistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Italianistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Deutsche Literaturwissenschaft)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Latinistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Nordistik)
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Masterstudium - Philosophisch-Historische Fakultät)
Modul: Literaturgeschichte (Master Studiengang: Literaturwissenschaft)
Modul: Slavische Kulturwissenschaft (Master Studienfach: Slavistik)
Modul: Slavische Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studiengang: Osteuropa-Studien)
Modul: Slavische Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach: Osteuropäische Kulturen)
Modul: Slavische Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Slavistik)
Prüfung Leistungsnachweis
Hinweise zur Prüfung Kleiner Essay am Ende des Semesters. Details werden zu Semesterbeginn kommuniziert.
An-/Abmeldung zur Prüfung Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich
Wiederholungsprüfung eine Wiederholung, Wiederholung zählt
Skala Pass / Fail
Belegen bei Nichtbestehen nicht wiederholbar
Zuständige Fakultät Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch
Anbietende Organisationseinheit Fachbereich Slavistik

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