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| Semester | Herbstsemester 2026 |
| Angebotsmuster | einmalig |
| Dozierende | Anna Hodel Laszlo (anna.hodel@unibas.ch, BeurteilerIn) |
| Inhalt | Das Seminar untersucht die gegenwärtige „Implosion“ der russischen Zentrumssprache im postsowjetischen Raum. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Russisch seit der Vollinvasion der Ukraine 2022 nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern zunehmend als historisch belastete, politisierte und ästhetisch prekäre Sprache verhandelt wird. Im Seminar fragen wir, wie Literatur, Lyrik, Performance und künstlerische Praktiken auf diese tektonischen Verschiebungen reagieren – durch Sprachwechsel, Hybridisierung, Heterographien, Mehrschriftlichkeit, translinguale Verfahren oder bewusste Verweigerung. Im Zentrum stehen Autor:innen wie Varvara Nedeoglo, Galina Rymbu und Alex Averbuch, deren Texte Russisch nicht einfach verwenden, sondern von innen her destabilisieren, verfremden und „dekolonisieren“. Sichtbar werden dabei unterschiedliche Antworten auf die Krise der Zentrumssprache: ihre Zersetzung von innen, ihre hybride Vervielfältigung oder auch ihr (partieller) Rückzug zugunsten anderer Sprachräume – etwa dort, wo Alex Averbuchs neuere Texte das Russische verlassen und sich zwischen Ukrainisch und Jiddisch neu situieren. Dabei interessieren uns literarische und ästhetische Formen, in denen Sprache zugleich Ressource, Risiko, Gewaltgeschichte und Möglichkeitsraum wird. Das Seminar verbindet textnahe Analysen mit theoretischen Perspektiven auf Dekolonisierung, Mehrsprachigkeit, Translingualität, Parrhesie und postimperiale Sprachpolitik. Diskutiert werden unter anderem Fragen nach der Möglichkeit eines „Russisch ohne Zentrum“, nach den Grenzen von Begriffen wie „russophon“ oder „plurizentrisch“ sowie nach neuen Formen kultureller Selbstverortung zwischen Baltikum, Kaukasus, Ukraine und russischsprachiger Diaspora. Ergänzend können weitere literarische und künstlerische Positionen aus dem postsowjetischen Raum – insbesondere aus dem Baltikum – hinzugezogen werden, die kulturelle Sprachlandschaften und verschobene Formen von Mehrsprachigkeit reflektieren. Die Lehrveranstaltung versteht Literatur und Kunst dabei nicht nur als Spiegel politischer Prozesse, sondern als experimentelle Reflexionsräume, in denen neue Sprachverhältnisse, Affekte und Formen des Denkens erprobt werden. |
| Lernziele | - Die Studierenden erwerben Kenntnisse zentraler theoretischer Ansätze zu postimperialer Mehrsprachigkeit, Dekolonisierung, Translingualität und Sprachpolitik im postsowjetischen Raum. - Die Studierenden lernen, literarische und künstlerische Texte als Reflexionsräume sprachlicher, politischer und affektiver Konflikte zu analysieren und Verfahren wie Heterographie, Skriptmischung, Code-Switching oder sprachliche Verfremdung textnah zu beschreiben. - Die Studierenden können unterschiedliche Formen russischsprachiger und mehrsprachiger Kulturproduktion im Baltikum, im Kaukasus, in der Ukraine und in diasporischen Kontexten historisch und kulturpolitisch situieren. - Die Studierenden reflektieren kritisch Begriffe wie „Russophonie“, „plurizentrisches Russisch“ oder „Erstsprache“ und entwickeln ein Verständnis für Sprache als umkämpfte kulturelle, ästhetische und politische Praxis. - Die Studierenden entwickeln die Fähigkeit, literarische und künstlerische Praktiken mit grösseren Fragen von Macht, Gewalt, Erinnerung, Zugehörigkeit und kultureller Neuverortung zu verbinden. |
| Literatur | Alle Primärliteratur wird auch in Übersetzungen vorhanden sein. Sprachkenntnisse aus der dezentralen Russophonie werden dennoch nicht abgelehnt. Theoretisch stützt sich das Seminar auf Ansätze der Postcolonial und Decolonial Studies, der Mehrsprachigkeits- und Translingualitätsforschung, der Sprach- und Affekttheorie sowie auf literatur- und kulturwissenschaftliche Arbeiten zu Avantgarde, Sprachkritik und postimperialen Räumen (u. a. Michel Foucault, Étienne Balibar, Mikhail Bakhtin, Yasemin Yildiz, Madina Tlostanova, Botakoz Kassymbekova, Tamar Koplatadze, Gilles Deleuze/Félix Guattari, Eve Kosofsky Sedgwick, Aage Hansen-Löve). Eine ausführliche Literaturliste wird zu Beginn des Semesters bekannt gegeben. |
| Unterrichtssprache | Deutsch |
| Einsatz digitaler Medien | kein spezifischer Einsatz |
| HörerInnen willkommen |
| Intervall | Wochentag | Zeit | Raum |
|---|---|---|---|
| wöchentlich | Montag | 16.15-17.45 | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Datum | Zeit | Raum |
|---|---|---|
| Montag 14.09.2026 | 16.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Montag 21.09.2026 | 16.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Montag 28.09.2026 | 16.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Montag 05.10.2026 | 16.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Montag 12.10.2026 | 16.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Montag 19.10.2026 | 16.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Montag 26.10.2026 | 16.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Montag 02.11.2026 | 16.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Montag 09.11.2026 | 16.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Montag 16.11.2026 | 16.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Montag 23.11.2026 | 16.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Montag 30.11.2026 | 16.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Montag 07.12.2026 | 16.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Montag 14.12.2026 | 16.15-17.45 Uhr | Nadelberg 8, Seminarraum 13 |
| Module |
Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Slavistik) Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Englisch) Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Deutsche Philologie) Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Französistik) Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Hispanistik) Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Italianistik) Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Deutsche Literaturwissenschaft) Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Latinistik) Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Nordistik) Modul: Interphilologie: Literaturwissenschaft MA (Masterstudium - Philosophisch-Historische Fakultät) Modul: Literatur- und kulturwissenschaftliche Forschung (Master Studiengang: Literaturwissenschaft) Modul: Literaturtheorie (Master Studiengang: Literaturwissenschaft) Modul: Slavische Kulturwissenschaft (Master Studienfach: Slavistik) Modul: Slavische Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studiengang: Osteuropa-Studien) Modul: Slavische Literaturwissenschaft BA (Bachelor Studienfach: Osteuropäische Kulturen) Modul: Slavische Literaturwissenschaft MA (Master Studienfach: Slavistik) Modul: Transfer: Europa interdisziplinär (Master Studiengang: Europäische Geschichte in globaler Perspektive ) |
| Prüfung | Lehrveranst.-begleitend |
| An-/Abmeldung zur Prüfung | Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich |
| Wiederholungsprüfung | keine Wiederholungsprüfung |
| Skala | Pass / Fail |
| Belegen bei Nichtbestehen | nicht wiederholbar |
| Zuständige Fakultät | Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch |
| Anbietende Organisationseinheit | Fachbereich Slavistik |