Zurück zur Auswahl
| Semester | Herbstsemester 2026 |
| Angebotsmuster | einmalig |
| Dozierende | Angelika Krebs (angelika.krebs@unibas.ch, BeurteilerIn) |
| Inhalt | Kann man sich täuschen in dem, was man fühlt? Kann man glauben, man fühle x, dabei fühlt man eigentlich y? Kann man also einen Fehler in der emotionalen Selbsterkenntnis machen? Und können Gefühle ausserdem falsch sein in dem anderen Sinne, dass sie dem Wert dessen, worauf sie sich richten, nicht angemessen sind, etwa zu stark und übertrieben oder zu schwach und unterentwickelt sind? Kann man also einen Fehler in der emotionalen Werterkenntnis machen? Ausgehend von einem praktischen Beispiel, dem der Reue, werden wir im Seminar das doppelte Phänomen der Gefühlstäuschung zu verstehen und ihre Quellen zu überblicken suchen. Nach der gemeinsamen Lektüre des vielleicht eindrücklichsten Aufsatzes von Max Scheler «Reue und Wiedergeburt» aus dem Jahre 1917 werden wir uns zunächst der Frage falscher emotionaler Selbsterkenntnis zuwenden. Der Mainstream der Philosophie geht davon aus, dass man sich in seinen eigenen Gefühlen nicht täuschen kann und spricht von einem «Evidenzvorzug der inneren Wahrnehmung». Dagegen argumentiert Max Scheler in seinem Aufsatz «Idole der Selbsterkenntnis» nicht nur, dass emotionale Selbsttäuschung sehr wohl vorkommt, sondern auch, dass sie sogar häufiger ist als Fehler in der Erkenntnis der Gefühle Anderer. Scheler sieht insbesondere die folgenden sechs Quellen emotionaler Selbsttäuschung: 1. die Überdeckung des Eigenpsychischen durch Fremdpsychisches, 2. die Überschattung des Individuellen durch Soziales, 3. Schwierigkeiten der Mitteilbarkeit der Innenwelt, 4. die Überdeckung des Seelischen durch Leibliches, 5. die Übertragung der Gegebenheitsformen der Aussenwelt (räumliches Nebeneinander, zeitliche Folge, Kausalität) auf die Innenwelt und 6. die Verdrängung. Die zweite Form der Gefühlstäuschung, also die Verfehlung des wahren Wertes von etwas, ist in der Philosophie eher anerkannt als die erste Form. Auch hier werden wir versuchen, einen Überblick über verschiedenen Täuschungsquellen zu erhalten, und zwar ausgehend von Schelers Aufsatz «Ordo amoris». Genannt werden dort die folgenden neun Quellen emotionaler Werttäuschung: 1. die absolute oder metaphysische Vergaffung, in der ein endlicher Götze wie Geld oder Macht an die höchste Stelle der Wertpyramide tritt und die Offenheit für das unendliche Wertreich zerstört, 2. die relative Vergaffung, in der ein Gegenstand einen falschen Wertrang erhält und somit etwas mit der Schichtung der Werte nicht stimmt, 3. die inadäquate Liebe, in der zwar die Spitze der Pyramide und die Schichtung der Werte stimmt, aber ein Gegenstand trotzdem nicht adäquat zu seiner Fülle geliebt wird, 4. der Hass als Folge falscher Liebe mit der ihm eigenen Verengung des Wertreiches, 5. die Eigenliebe (z.B. Eitelkeit, Ehrgeiz oder Stolz) anstelle der echten Selbstliebe als Liebe zum eigenen Heil, 6. der «psychologische» Blick nach innen auf die Gefühlszustände, statt durch die Gefühle hindurch nach aussen auf die Gegenstände in der Welt, 7. die moderne Überschätzung des Verstandes mit der Folge der Unterschätzung der Gefühle und des Verlernens des Horchens auf sie, 8. der Mangel an solidarischer Fremdliebe in der modernen, kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft mit der Folge, dass die für den Wandel des Herzens notwendigen Blicke, Ratschläge und Mithilfen von aussen oft fehlen, und 9. die Ressentimentliebe, d.h. die Liebe zum Gegenteil des Gehassten, wobei dieser Hass aus der eigenen Nichterreichung ursprünglich geliebter Dinge herrührt (vgl. die Fabel vom Fuchs und den sauren Trauben). Die Kenntnis der Vielfalt der Quellen und Formen von Gefühlstäuschung ist von allererster Bedeutung in Moral und Ethik. Wie sollen wir gut leben, wenn wir uns ständig in unseren eigenen Gefühlen und im Wert der Gegenstände in der Welt täuschen? In der Geschichte der philosophischen Ethik dürfte es keinen Denker geben, der sich mit Gefühlstäuschung so tief auseinandergesetzt hat wie Max Scheler. Aus diesem Grund wird sich dieses Seminar das Phänomen auf der Basis dreier seiner Aufsätze erarbeiten. Nicht nur der Zeitaufwand von vier Stunden, sondern auch die Form des Seminars ist eine intensive. Wir lesen und schreiben alle jede Woche einen kurzen Text, um am Ende hoffentlich einen gewissen Überblick über das Phänomen der Gefühlstäuschung zu erlangen. |
| Bemerkungen | Für Jurist:innen geeignet. |
| Unterrichtssprache | Deutsch |
| Einsatz digitaler Medien | kein spezifischer Einsatz |
| HörerInnen willkommen |
| Intervall | Wochentag | Zeit | Raum |
|---|---|---|---|
| wöchentlich | Donnerstag | 10.15-14.00 | Kollegienhaus, Seminarraum 106 |
| Datum | Zeit | Raum |
|---|---|---|
| Donnerstag 24.09.2026 | 10.15-14.00 Uhr | Kollegienhaus, Seminarraum 106 |
| Donnerstag 01.10.2026 | 10.15-14.00 Uhr | Kollegienhaus, Seminarraum 106 |
| Donnerstag 08.10.2026 | 10.15-14.00 Uhr | Kollegienhaus, Seminarraum 106 |
| Donnerstag 15.10.2026 | 10.15-14.00 Uhr | Kollegienhaus, Seminarraum 106 |
| Donnerstag 22.10.2026 | 10.15-14.00 Uhr | Kollegienhaus, Seminarraum 106 |
| Donnerstag 29.10.2026 | 10.15-14.00 Uhr | Kollegienhaus, Seminarraum 106 |
| Donnerstag 05.11.2026 | 10.15-14.00 Uhr | Kollegienhaus, Seminarraum 106 |
| Donnerstag 12.11.2026 | 10.15-14.00 Uhr | Kollegienhaus, Seminarraum 106 |
| Donnerstag 19.11.2026 | 10.15-14.00 Uhr | Kollegienhaus, Seminarraum 106 |
| Donnerstag 26.11.2026 | 10.15-14.00 Uhr | Kollegienhaus, Seminarraum 106 |
| Donnerstag 03.12.2026 | 10.15-14.00 Uhr | Kollegienhaus, Seminarraum 106 |
| Donnerstag 10.12.2026 | 10.15-14.00 Uhr | Kollegienhaus, Seminarraum 106 |
| Donnerstag 17.12.2026 | 10.15-14.00 Uhr | Kollegienhaus, Seminarraum 106 |
| Module |
Modul: Praktische Philosophie (Master Studienfach: Philosophie) Modul: Probleme der Praktischen Philosophie (Bachelor Studienfach: Philosophie) |
| Prüfung | Lehrveranst.-begleitend |
| An-/Abmeldung zur Prüfung | Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich |
| Wiederholungsprüfung | keine Wiederholungsprüfung |
| Skala | Pass / Fail |
| Belegen bei Nichtbestehen | nicht wiederholbar |
| Zuständige Fakultät | Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch |
| Anbietende Organisationseinheit | Fachbereich Philosophie |