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| Semester | Herbstsemester 2026 |
| Angebotsmuster | einmalig |
| Dozierende | Julian Rainer Purrmann (julian.purrmann@unibas.ch, BeurteilerIn) |
| Inhalt | Recht ist nie fertig oder blosses Regelwerk. Es entsteht immer neu in der Auslegung, in der Improvisation, im Streit. Die Rechtsanthropologie nimmt diesen prozessualen Charakter ernst: Recht nicht als abstrakte Norm oder geschlossenes System, sondern als soziale Praxis, die beständig hervorgebracht und situiert neu verhandelt wird: in Gerichtssälen und Gefängnissen, auf Ämtern und in Verfassungen, in Parlamenten und im Alltag. Mögliche Themen sind unter anderem: - Eine anthropologische Perspektive auf Recht als Praxis: Was ist Rech? Wie wird Recht gemacht, angewendet, artikuliert und unterlaufen und was geschieht in den Lücken zwischen Norm und Wirklichkeit? - Das Verhältnis von Recht und Staat: Wie produzieren rechtliche Institutionen Autorität, Zugehörigkeit und Staatsbürgerschaft — und wie wird staatliche Macht etwa durch Bürokratie, Migrationsregime und den Umgang mit Minderheiten artikuliert? - Verbrechen, Rechtsprechung und Strafe: Wie wird Abweichung definiert, Schuld zugeschrieben und Sanktionierung legitimiert und durch welche klassifikatorischen Ordnungen werden bestimmte Körper und Handlungen überhaupt erst als kriminell hervorgebracht? - Rechtlicher Pluralismus: Was passiert, wenn mehrere Rechtsordnungen denselben Raum beanspruchen, etwa wenn staatliche Normen mit indigenen oder informellen Rechtssystemen konkurrieren, und wie werden Grenzen zwischen ihnen gezogen, verschoben und bestritten? Welche kolonialen Kontinuitäten prägen das Recht? - Menschenrechte als globalen Diskurs mit universellen Ansprüchen, der lokal transformiert, angeeignet und in postkoloniale Machtstrukturen eingebettet wird. Welche Subjekte und Ansprüche macht er sichtbar und welche schliesst er aus? - Recht, Kapitalismus und die bürgerliche Gesellschaft: Welche Rolle spielt(e) Recht bei der Herausbildung und Stabilisierung von Besitzverhältnissen und Kapitalismus? Welche Alternativen ermöglicht es (nicht)? - Recht und Geschlecht. Inwiefern ist das Recht eine patriarchale Institution? Wie verhält es sich zu Verwandtschaft? Welche Perspektiven eröffnen feministische Ansätze auf das Recht? - Umweltrecht, als Versuch gesellschaftliche Naturverhältnisse zu regulieren und neuere Versuche, Rechtssubjektivität über den Menschen hinaus etwa auf Flüsse, Wälder, Ökosysteme auszuweiten. Welche Ontologien des Rechts stehen dabei auf dem Spiel und was zeigen solche Experimente über die Grenzen und Möglichkeiten des Rechts als politischer Form? Der genaue Plan wird in der Vorbereitungssitzung am 16.09. an die Anzahl und die Interessen der Teilnehmenden angepasst. Sollten Sie an der Vorbereitungssitzung verhindert sein und möchten trotzdem teilnehmen, dann melden Sie sich bei mir (julian.purrmann@unibas.ch). |
| Lernziele | Die Studierenden kennen grundlegende Perspektiven der Rechtsanthropologe, können sie kritisch diskutieren, weiterdenken und selbstständig anwenden. Die Studierenden lernen, den eigenen Text zu präsentieren und als Discussant Texte anderer weiterzudenken. |
| Literatur | Münster. Foblets, M.-C., Goodale, M., Sapignoli, M., & Zenker, O. (2022). The Oxford handbook of law and anthropology. Oxford University Press. Binder, B. (2018). Rechtsmobilisierung. Zur Produktivität der Rechtsanthropologie für eine Kulturanthropologie des Politischen (51-62). In: Rolshoven und Schneider (Hrsg): Dimensionen des Politischen. Ansprüche und Herausforderungen der Empirischen Kulturwissenschaft. Neofelis Verlag. Pirie, F. (2020). Sociology of law and legal anthropology. In: Research Handbook on the Sociology of Law (pp. 43–53). Edward Elgar Publishing. Mertz, E., & Richland, J. (2025). Law, Anthropology, and Their Languages. Annual Review of Anthropology, 54(Volume 54, 2025), 409–425. |
| Teilnahmevoraussetzungen | Grundstudium abgeschlossen. Die Teilnehmenden werden nach Fachrichtung, Studiengang und in der Reihenfolge ihrer Anmeldung auf die Liste gesetzt. Wer im Rahmen von Auslandaufenthalten und von Austauschprogrammen in Basel studiert wird unabhängig vom Listenplatz immer aufgenommen. Wer in der ersten Sitzung unentschuldigt fehlt, kann die Lehrveranstaltung nicht besuchen. Pro Lehrveranstaltung mit zwei Semesterwochenstunden sind maximal zwei entschuldigte Absenzen möglich. Siehe Merkblatt zum Umgang mit Absenzen und Sonderregelungen: https://kulturwissenschaft.philhist.unibas.ch/fileadmin/user_upload/kulturwissenschaft/Dokumente/Studium/Merkblaetter_allgemein/B_absenzen-sonderregelungen_24-01.pdf. |
| Unterrichtssprache | Deutsch |
| Einsatz digitaler Medien | kein spezifischer Einsatz |
| Intervall | Wochentag | Zeit | Raum |
|---|---|---|---|
| einmalig | Siehe Einzeltermine | ||
| Block | Siehe Einzeltermine | ||
| Block | Siehe Einzeltermine | ||
| Datum | Zeit | Raum |
|---|---|---|
| Mittwoch 16.09.2026 | 12.15-14.00 Uhr | - Online Präsenz -, Zoom |
| Freitag 06.11.2026 | 12.15-19.00 Uhr | Alte Universität, Seminarraum 207 |
| Samstag 07.11.2026 | 09.15-16.00 Uhr | Alte Universität, Seminarraum 207 |
| Freitag 04.12.2026 | 12.15-19.00 Uhr | Alte Universität, Seminarraum 207 |
| Samstag 05.12.2026 | 09.15-16.00 Uhr | Alte Universität, Seminarraum 207 |
| Module |
Modul: Bodies, Objects, Circulation (Master Studiengang: Changing Societies) Modul: Methoden und Felder der Kulturanthropologie (Bachelor Studienfach: Kulturanthropologie) Modul: Migration, Mobility and Transnationalism (Master Studiengang: Changing Societies: Migration – Conflicts – Resources (Studienbeginn vor 01.08.2026)) Modul: Research Lab Kulturanthropologie (Master Studienfach: Kulturanthropologie) Modul: Theorien der Kulturanthropologie (Bachelor Studienfach: Kulturanthropologie) Modul: Theorien und Methodologien der Kulturanthropologie (Master Studienfach: Kulturanthropologie) |
| Prüfung | Lehrveranst.-begleitend |
| Hinweise zur Prüfung | Aktive Teilnahme an den Blocksitzungen Jede*r Studierende (je nach Teilnehmer*innenzahl allein oder in einer Kleingruppe) verfasst einen kurzen Essay, gibt einen darauf basierenden Input und moderiert eine Gruppendiskussion Ausserdem hat jede*r Studierende einmal die Rolle eines Discussant für Essay und Präsentation einer anderen Gruppe (auf Grundlage vorherige Lektüre des Essays einen kurzen Diskussionskommentar nach der Präsentation geben). |
| An-/Abmeldung zur Prüfung | Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich |
| Wiederholungsprüfung | keine Wiederholungsprüfung |
| Skala | Pass / Fail |
| Belegen bei Nichtbestehen | nicht wiederholbar |
| Zuständige Fakultät | Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch |
| Anbietende Organisationseinheit | Fachbereich Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie |