Zur Merkliste hinzufügen
Zurück zur Auswahl

 

79407-01 - Proseminar: Queer-feministische Perspektiven auf Wissen/schaft und Technik (3 KP)

Semester Herbstsemester 2026
Angebotsmuster Jedes Semester
Dozierende Doris Leibetseder (doris.leibetseder@unibas.ch, BeurteilerIn)
Inhalt In diesem Proseminar werden sowohl Inhalt wie auch verschiedene Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens in Geschlechterforschung unterrichtet. Zuerst zum Inhalt:
In Anlehnung an Evelyn Fox Kellers (1995) Vorschlag für eine Systematisierung des internationalen Forschungsfeldes zu Geschlecht und Wissen(schaft), nähern wir uns in diesem Proseminar in Auseinandersetzung mit vier Themenblöcken dem Verhältnis von Wissen, Macht und Geschlecht an: (1) Die Lage und Situation von Frauen – als oftmals unterrepräsentierte und symbolisch marginalisierte Gruppe – in der Wissenschaft. (2) Die Beteiligung moderner Wissenschaft an der Herstellung von sexistisch-heteronormativen und rassifizierenden Wissensbeständen und ihre Rolle für die Aufrechterhaltung einer zweigeschlechtlich und heterosexuell organisierten Gesellschaftsordnung. (3) Die Vergeschlechtlichung von vorgeblich neutralen Wissenschaften durch explizite und implizite Verschränkung von wissenschaftlichen Normen, Kulturen und Praktiken mit sozialen Geschlechtervorstellungen. (4) Die Beschreibung und Erklärung von queer-feministischen Epistemologien und deren Forschungsethik.
Fragen, mit denen wir uns beschäftigen sind:
Hat das Geschlecht der Wissenschafter*innen einen Einfluss auf das Wissen, das produziert wird? Wie haben die Wissenschaften Menschenkategorien, Unterschiede und Hierarchisierungen zwischen den Lebewesen produziert, anstatt „nur zu beobachten“? Welchen Effekt haben kulturelle Normen, Sprache inkludiert, auf die Art des Wissens, das von Wissenschaften produziert wird? Wie kann (wissenschaftliches) Wissen anders und „besser“ geschaffen werden?
Von Anfang an hat sich die feministische Wissenschaftskritik auf die Frage konzentriert, wie Wissen produziert wird, die Machtbeziehungen analysiert und den Standpunkt der Wissenschafter*innen theoretisiert. Dabei werden auch die Prozesse der wissenschaftlichen Praktiken in speziellen Zeiträumen und geographischen Orten, welche die Klassifizierungen der Welt, auch der Menschen, hervorbrachten, in Betracht gezogen. Genau diese Klassifizierungen, wie z. B. das Zweigeschlechtersystem, beeinflussten wiederum, wer für fähig gehalten wurde, auf legitime Weise Wissenschaft zu praktizieren.
Zweitens werden wichtige Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens zielführend auf die Verfassung einer Proseminararbeit hin unterrichtet: folgende Techniken sind dafür von Bedeutung: Peer-Feedback, Guided Reading, Zitieren, Themenfindung und das wissenschaftliche Schreiben in der Geschlechterforschung. Diese Techniken werden parallel zum Inhalt in Mini-Lectures präsentiert und in den Tutoraten geübt werden.
Für Studierende der Gender Studies müssen das Proseminar und das begleitende Tutorat parallel belegt werden, um dieses Modul zu erfüllen.
Lernziele - Einführung in die aktuelle feministische Wissenschaftstheorie und -Kritik mit Fokus auf Geschlecht, Sexualität und Race, wobei auch die feministische Wissenschaftsgeschichte erlernt wird.
- Kritisches Denken und Reflektion über das akademische Wissen und Wissenschaft und Geschlecht (inkl. über das zweigeschlechtliche Denk- und Deutungsmuster und die hierarchisierten Normalitätsannahmen).
- Analytische wissenschaftliche Lese-, Schreib- und Präsentationsfähigkeiten.
- Im Tutorat werden zentrale Praktiken und Techniken wissenschaftlichen Arbeitens erlernt und geübt.

Lehrmethoden: Close Reading mit Fragestellungen/Analyseschema, Blended Learning, Flipped Classroom wenn möglich, interaktive Aufgabenstellungen (in Partner*innenarbeit, Gruppenarbeit und Plenum, als World Café, Expert*innengruppen, etc.), Minilectures der Vortragenden, Thesenpapier und Peer-Feedback.
Medien: Texte, Internet (z.B. YouTube), Videos, Filmausschnitte und Interviewausschnitte, Audio, Bilder.
Mit Raum für Diskussionen und Fragestellungen.

Literatur Barad, Karen: On Touching-The Inhuman that therefore I am. Differences: A Journal of Feminist Cultural Studies 23 (3), 2012. S. 206-223.
Barad, Karen: Agentieller Realismus, Berlin, 2012.
Bland, L und Doan, L (eds): Sexology in culture: Labeling bodies and desires, Chicago, 1998.
Butler, Judith: Bodies That Matter. On the Discursive Limits of »Sex«, New York/London, 1993.
Daston, Loraine und Gallison, Peter: The Image of Objectivity, Representations, 40, Fall 1992. S. 81-128.
Dolphijn, Rick und van der Tuin, Iris: New Materialism: Interviews & Cartographies, Open Humanities Press, 2012. http://quod.lib.umich.edu/o/ohp/11515701.0001.001 (07.05.2013).
Foucault, Michel: Dispositive der Macht: über Sexualität, Wissen und Wahrheit, Berlin, 1978.
Foucault, Michel: Sexualität und Wahrheit 1: der Wille zum Wissen, Frankfurt am Main, 1983.
Fraser, Nancy: Widerspenstige Praktiken. Macht, Diskurs, Geschlecht, Frankfurt am Main, 1994.
Haraway, Donna: Simians, Cyborgs, and Women. The Reinvention of Nature, London, 1998.
Harding, Sandra (ed): The postcolonial science and technology studies reader, Durham, 2011.
Harding, Sandra (ed): The „racial“ economy of science: Toward a democratic future, Bloomington, 1993.
Harding, Sandra: Whose Science? Whose Knowledge?: Thinking from women’s lives, Ithaca, 1991.
Harding, Sandra: The science question in feminism, Ithaca, 1986.
Hill-Collins, P. : Black Feminist Thought in the Matrix of Domination. Exzerpt aus: Hill Collins, Patricia 1990 : Black Feminist Thought. Harper Collins. 221-238.
Keller, Evelyn Fox: Secrets of Life, Secrets of Death, New York, 1995.
Kirkup, Gil/Janes, Linda/Woodward, Kathryn/Hovenden, Fiona (Hg.): The Gendered Cyborg: A Reader, London, 2000.
Laqueur, Thomas: Auf den Leib geschrieben, Frankfurt/Main, 1992.
Martin, Emily: The Woman in the body: a cultural analysis of reproduction, Boston, 1987.
Mbembe, Achille “Nekropolitik” in M. Pieper et al Biopolitik – in der Debatte, Wiesbaden 2011.
Rabinow, Paul und Rose, Nikolas: Biopower today, BioSocieties (1), 2006. S. 195-217.
Roberts, Dorothy: Race, gender, and genetic technologies: A new reproductive dystopia? Signs 34 (4), 2009. S. 783-804.
Schiebinger, Londa (ed.): Gendered Innovations in Science and Engineering, Stanford, 2008.
Schiebinger, Londa (ed.): Feminism and the Body, New York, 2000.
Somerville, S.: Scientific Racism and the invention of the homosexual body. In: L. Bland & L. Doan (eds.): Sexology in culture. University of Chicago Press. 1998. 60-76.
Weber, J.: Einführung. Feministische STS. In: S. Bauer, T. Heinemann & T. Lemke (Hrsg.) Science and Technology Studies. Suhrkamp. 2017. 339-368.
Bemerkungen Termine des PS sind regelmässig 14-tägig ab dem 16.9. 2026 bis zum 9. Dez. 2026. Die Termine des begleitenden und verpflichtenden Tutorats sind wöchentlich.

 

Unterrichtssprache Deutsch
Einsatz digitaler Medien kein spezifischer Einsatz

 

Intervall Wochentag Zeit Raum
14-täglich Mittwoch 12.15-16.00 Rheinsprung 21, Seminarraum 00.004

Einzeltermine

Datum Zeit Raum
Mittwoch 16.09.2026 12.15-16.00 Uhr Rheinsprung 21, Seminarraum 00.004
Mittwoch 30.09.2026 12.15-16.00 Uhr Rheinsprung 21, Seminarraum 00.004
Mittwoch 14.10.2026 12.15-16.00 Uhr Rheinsprung 21, Seminarraum 00.004
Mittwoch 28.10.2026 12.15-16.00 Uhr Rheinsprung 21, Seminarraum 00.004
Mittwoch 11.11.2026 12.15-16.00 Uhr Rheinsprung 21, Seminarraum 00.004
Mittwoch 25.11.2026 12.15-16.00 Uhr Rheinsprung 21, Seminarraum 00.004
Mittwoch 09.12.2026 12.15-16.00 Uhr Rheinsprung 21, Seminarraum 00.004
Module Modul: Themen und Theorien der Sozialanthropologie (Bachelor Studienfach: Sozialanthropologie)
Modul: Wissen/schaft, Technik und Geschlecht (Bachelor Studienfach: Geschlechterforschung)
Prüfung Lehrveranst.-begleitend
Hinweise zur Prüfung Neben regelmässiger aktiver Teilnahme an den Lehrveranstaltungssitzungen (max. an 25% der gesamten Anwesenheit unentschuldigtes Fehlen), sind für einen Leistungsnachweis im Proseminar (1) zwei Thesenpapiere sowie (2) ein Mini-Input zu einem Vertiefungstext (auch in Form eines Gruppenreferats) fristgerecht beizubringen.
Thesenpapier für Bachelor-Studierende: Sie verfassen zwei Thesenpapiere zu zwei verschiedenen Themenblöcke (nicht für den, in dem der Mini-Input gehalten wurde) unter Hinzuziehung der Vorbereitungstexte, diskutieren die zentralen Inhalte unter Verweis auf die Literatur und Diskussion und reflektieren die Erkenntnisse auf ihre Bedeutung für die Praxis wissenschaftlicher Erkenntnisproduktion. Länge: ca. 3 Seiten Text in ganzen Sätzen. Achtung: Es gelten die üblichen Regeln wissenschaftlichen Arbeitens (Zitation!). Die Abgabe erfolgt im PDF-Format durch Hochladen auf ADAM innerhalb einer Woche.
Thesenpapier für Master-Studierende: Sie verfassen zwei Thesenpapiere zu zwei Themenblöcke (nicht für den, in dem der Mini-Input gehalten wurde) unter Hinzuziehung der Vorbereitungstexte, diskutieren die zentralen Inhalte unter Verweis auf die Literatur und gemeinsame Diskussion und reflektieren die Erkenntnisse auf ihre Bedeutung für die Praxis wissenschaftlicher Erkenntnisproduktion. Länge: ca. 5 Seiten Text in ganzen Sätzen. Achtung: Es gelten die üblichen Regeln wissenschaftlichen Arbeitens (Zitation!). Die Abgabe erfolgt im PDF-Format durch Hochladen auf ADAM innerhalb einer Woche.
Proseminararbeit
Die Teilnahme am Tutorat ist verpflichtend und hilft zur Vorbereitung und Erstellung der Proseminararbeit. Auch muss eine Sprechstunde mit der Lehrveranstaltungsleiter*in bis zum 1. Dez. 2026 zur Besprechung des Themas der Proseminararbeit vereinbart werden. Es muss eine Proseminararbeit geschrieben werden. Proseminararbeiten im Bachelor und Master umfassen 10-15 Seiten; Seminararbeiten im Bachelor und Master umfassen 15-20 Seiten. Abgabetermin für die Proseminararbeit ist Mitte Januar 2027 und ist im PDF-Format per Mail an doris.leibetseder@unibas.ch einzureichen.
An-/Abmeldung zur Prüfung Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich
Wiederholungsprüfung keine Wiederholungsprüfung
Skala Pass / Fail
Belegen bei Nichtbestehen beliebig wiederholbar
Zuständige Fakultät Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch
Anbietende Organisationseinheit Fachbereich Gender Studies

Zurück zur Auswahl