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23279-01 - Seminar: Memoryscapes. Zur Medialität und Ästhetik der Erinnerung (3 KP)

Semester Herbstsemester 2009
Angebotsmuster unregelmässig
Dozierende Matthias Wittmann (matthias.wittmann@unibas.ch, BeurteilerIn)
Inhalt "Ich halte es nicht für übertrieben zu behaupten, dass uns Kino und elektronische Medien durch die von ihnen geleistete Vermittlung einer Beziehung zur Welt befähigt haben, ein gegenüber der Vergangenheit ganz anderes Bild zu entwickeln", schreibt die Filmphänomenologin Vivian Sobchack in ihrem Text "The Scene of the Screen". Angesichts der zunehmenden Medialisierung unseres Blicks auf die Vergangenheit erscheint ein Festhalten an platonischen Dichotomien wie "real/simuliert", "authentisch/medialisiert" mehr als fragwürdig. Die Verwobenheit unserer individuellen Erinnerungsbilder mit medialen Erinnerungsangeboten und symbolischen Konstruktionsleistungen ist unhintergehbar. Als Bedingungen der Möglichkeit von Formbildungen gestalten die Medien nicht nur unsere Vorstellungen vom Erinnern, sondern transformieren auch die Art und Weise, wie wir uns erinnern. Aleida Assmann oder Douwe Draaisma stellen zwar fest, dass Gedächtnisbilder in Dependenz zu sich historisch wandelnden, medialen Parametern stehen, was beide jedoch zu wenig berücksichtigen, sind die Formbildungsprozesse innerhalb der Medien und die performativen Dimensionen der zirkulierenden Erinnerungsmetaphern.
Das Seminar bietet die Möglichkeit, das breite Spektrum an medialen wie künstlerischen Inszenierungsformen von Gedächtnisprozessen zu erkunden und mit grundlegenden Texten zur Gedächtnistheorie (von Platon/Aristoteles über Bergson/Warburg bis Freud/Benjamin/Derrida) in Austausch treten zu lassen. Der Hauptfokus wird hierbei auf jenen Erinnerungsfiguren liegen, die der Film hervorgebracht hat, und auf dem Beitrag einer spezifisch filmischen "Mnemographie" (bzw. "Obliviologie") zu philosophischen, kulturtheoretischen und psychoanalytischen Theoriebildungen zum Gedächtnis. Auch andere Künste und Medien werden nicht zu kurz kommen, um auf diese Weise unsere Bilder des Erinnerns und die Ästhetik unserer Erinnerungsbilder als intermediale "Installation" reflektieren zu können.

Es geht um die Materialität und Spektralität der Erinnerung, um Selbstäußerlichkeiten, Supplemente und Hinzu-Setzungen (Pro-Thesen), um Nachträglichkeiten, Retroaktivitäten und paradoxe Zeiterfahrungen, um "Stasis" und "Motion", bewegte und bewegende Bilder (imagines agentes) als Bildner der Gedächtnisfunktion, um die Transformation der Erinnerung in der ästhetischen Erfahrung, die Montagearbeit des Gedächtnisses, die transmediale Hybridität seiner Verfasstheit und um jene Metamorphosen, die Außenbilder und Artefakte erfahren, wenn sie zu inneren und erinnerten Bildern werden.

Lernziele Die Studierenden sind mit entscheidenden - philosophischen, psychoanalytischen, kulturtheoretischen und neurowissenschaftlichen - Positionen und Theorienbildungen zum Gedächtnis vertraut und haben profunde Einblicke in das breite Spektrum an medialen wie künstlerischen Inszenierungsformen von Gedächtnisprozessen gewonnen.
Literatur Victor Burgin: The Remembered Film. London 2004; Nicolas Pethes: Mnemographie. Poetiken der Erinnerung und Destruktion nach Walter Benjamin. Tübingen 1999; Nicolas Pethes: Kulturwissenschaftliche Gedächtnistheorien zur Einführung. Hamburg 2008; Uwe Fleckner / Sarkis (Hg.): Die Schatzkammern der Mnemosyne. Ein Lesebuch mit Texten zur Gedächtnistheorie von Platon bis Derrida. Dresden 2005; Jacques Derrida: Grammatologie. Frankfurt/Main 2004; Frances Yates: The Art of Memory. Chicago 2001. (Eine ausführliche Liste wird in der Veranstaltung bekanntgegeben)

 

Teilnahmevoraussetzungen Bachelorstudierende: abgeschlossenes Modul "Wahrnehmung 1" oder "Medientechnologien 1"; Lizentiatsstudierende: abgeschlossenes Grundstudium Medienwissenschaft.
Anmeldung zur Lehrveranstaltung www.mewi.unibas.ch
Unterrichtssprache Deutsch
Einsatz digitaler Medien kein spezifischer Einsatz

 

Intervall Wochentag Zeit Raum

Keine Einzeltermine verfügbar, bitte informieren Sie sich direkt bei den Dozierenden.

Module Modul Wahrnehmung 2 (Bachelor Studienfach: Medienwissenschaft)
Prüfung Lehrveranst.-begleitend
An-/Abmeldung zur Prüfung Anmelden: Belegen; Abmelden: nicht erforderlich
Wiederholungsprüfung keine Wiederholungsprüfung
Skala Pass / Fail
Belegen bei Nichtbestehen beliebig wiederholbar
Zuständige Fakultät Philosophisch-Historische Fakultät, studadmin-philhist@unibas.ch
Anbietende Organisationseinheit Institut für Medienwissenschaft

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