Add to watchlist
Back to selection

 

77965-01 - Research seminar: Genozid? Massenverbrechen im östlichen Europa im 20. Jahrhundert als Gegenstand politischer und juristischer Debatten (4 CP)

Semester spring semester 2026
Course frequency Once only
Lecturers Frithjof Benjamin Schenk (benjamin.schenk@unibas.ch, Assessor)
Content Seit der Verabschiedung der UN-Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes im Jahr 1948 gilt «Genozid» als völkerrechtlicher Straftatbestand. Angesichts des Massenmordes an den Armeniern im Osmanischen Reich (1915-1916) und der Vernichtung der Juden während des 2. Weltkriegs und der Shoa wollte die Weltgemeinschaft Verbrechen, die auf die «systematische Zerstörung einer nationalen, ethnischen, rassischen oder religiösen Gruppe» abzielten, rechtlich ahnden und in Zukunft verhindern. Seither spielt der Vorwurf, Massenverbrechen in Geschichte und Gegenwart seien als «Genozid» zu verurteilen, eine wichtige Rolle in politischen, juristischen und historischen Debatten. So rechtfertigte beispielsweise die NATO ihre Angriffe auf Serbien im Jahr 1999 mit dem Hinweis, man müsse im Kosovo einen Völkermord durch serbische Kräfte verhindern. Russland wiederum begründet seinen 2014 begonnenen Angriffskrieg gegen die Ukraine damit, man wolle die russischsprachige Bevölkerung im Donbas vor einem «Genozid» beschützen. Die ukrainische Regierung setzt sich ihrerseits seit Jahrzehnten für die internationale Anerkennung des «Holodomor» d.h. der verheerenden Hungersnot in der Sowjetukraine in den 1930er Jahren, als Genozid ein.
Im Forschungsseminar wollen wir uns eingehend mit der Geschichte der UN-Genocide Convention von 1948 auseinandersetzen und diskutieren, warum bestimmte Massenverbrechen im östlichen Europa im 20. Jahrhundert als «Genozid» im Sinne des Völkerrechts anerkannt wurden. Schliesslich wollen wir danach fragen, wer sich wann mit welchen Argumenten für die Anerkennung eines Massenverbrechens als «Völkermord» eingesetzt hat (bzw. einsetzt). Im Mittelpunkt stehen u.a. der Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg, die Hungersnot in der Ukraine (1931-1934), das «Massaker von Srebrenica» (1995), der Kosovo-Krieg (1998-99) und Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine (2014-). Von besonderem Interesse sind in diesem Zusammenhang politische und historische Debatten in der Schweiz und dabei historische Quellen aus dem Bundesarchiv (Bern), dem Archiv des Völkerbundes und den e-newspaperarchives.ch.
Bibliography Als vorbereitende Lektüre empfehle ich nachdrücklich: Philippe Sands: East West Street. On the Origins of “Genocide” and “Crimes against Humanity.” London 2017 (bzw. die deutsche Übersetzung: Rückkehr nach Lemberg. Über die Ursprünge von Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Eine persönliche Geschichte. Frankfurt am Main 2018.)
Comments Die Forschungsseminare sind als Lehrformat exklusiv für die Masterstudierenden der Geschichte konzipiert. Im Vergleich zu Seminaren bieten sie mehr Raum und Zeit für forschungsnahes Lernen. Zugleich stellen sie höhere Anforderungen an eigenständige Recherche, Verarbeitung von auch theoretisch anspruchsvoller Forschungsliteratur sowie die Arbeit mit Quellen, die oft auch im Archiv mit Originalbeständen stattfindet. Forschungsseminare können als Grundlage für das Abfassen von Seminararbeiten, oft auch der Vorbereitung einer Masterarbeit dienen.

 

Admission requirements Studierende der Masterstudienfächer Geschichte und Osteuropäische Geschichte und des Masterstudiengangs Europäische Geschichte in globaler Perspektive.
Language of instruction German
Use of digital media No specific media used

 

Interval Weekday Time Room
wöchentlich Wednesday 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3

Dates

Date Time Room
Wednesday 18.02.2026 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3
Wednesday 25.02.2026 09.00-12.00 Fasnachtsferien
Wednesday 04.03.2026 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3
Wednesday 11.03.2026 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3
Wednesday 18.03.2026 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3
Wednesday 25.03.2026 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3
Wednesday 01.04.2026 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3
Wednesday 08.04.2026 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3
Wednesday 15.04.2026 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3
Wednesday 22.04.2026 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3
Wednesday 29.04.2026 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3
Wednesday 06.05.2026 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3
Wednesday 13.05.2026 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3
Wednesday 20.05.2026 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3
Wednesday 27.05.2026 09.00-12.00 Departement Geschichte, Seminarraum 3
Modules Modul: Areas: Osteuropa (Master's degree program: European History in Global Perspective)
Modul: Epochen der europäischen Geschichte: Neuere / Neueste Geschichte (Master's degree program: European History in Global Perspective)
Modul: Neuere / Neueste Geschichte (Master's degree subject: History)
Modul: Osteuropäische Geschichte: Räume und Epochen (Master's degree subject: East European History)
Module: Europeanization and Globalization (Master's Studies: European Global Studies)
Specialization Module Global Europe: Peace and Conflict Studies (Master's Studies: European Global Studies)
Assessment format continuous assessment
Assessment registration/deregistration Reg.: course registration; dereg.: not required
Repeat examination no repeat examination
Scale Pass / Fail
Repeated registration no repetition
Responsible faculty Faculty of Humanities and Social Sciences, studadmin-philhist@unibas.ch
Offered by Departement Geschichte

Back to selection