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77799-01 - Proseminar: "I Dovregubbens hall": Wahrnehmung und Wert des Märchensammelns (3 CP)

Semester spring semester 2026
Course frequency Once only
Lecturers Matthias Hauck (matthias.hauck@unibas.ch, Assessor)
Content In diesem Proseminar werden wir Märchen und Volkssagen, die in den nordischen Ländern ab 1840 aufgeschrieben, gesammelt und herausgegeben worden sind, lesen. Dabei wandern wir mit Asbjørnsen und Ibsen ins norwegische Dovrefjell und statten dem noch heute staatstragenden "Dovre-Alten" einen Besuch ab, begleiten Rasmussen auf seinen Thule-Expeditionen nach Grönland und versuchen das „Talking back“ der Inuit zu verstehen, lassen mit dem samischen "Ofelaš" die Tschuden in den Abgrund stürzen und fragen uns, weshalb gerade das Märchen von den Tschuden dem ersten samischen Spielfilm als Vorlage diente, tanzen mit Árnasons Elfen auf Island, und diskutieren nach dem Tanz die Funktion der isländischen Elfenbeauftragten, suchen im Nebel auf den Färöern nach der verborgenen Planke der Arche Noah und stellen eine geographische Verortung des kurzen Textes auf Kunoy (Fraueninsel) fest:

"An einer Stelle auf dem höchsten Teile von Kunoy liegt ein Brett von Noas Arche; Muscheln und Seeschnecken sind auf ihm angewachsen. Wenn sich Leute im Nebel hier im Gebirge verirrt haben, so sollen sie zu demselben gekommen sein, aber keiner hat es gefunden, der ausgefahren ist, es zu suchen“.

Von den Färöern geht es mit Siebenmeilenstiefeln weiter nach Schweden, wo uns der Volkskundler Hylthén-Cavallius Märchentexte und historische Artefakte aus Smålands Vorzeit präsentieren wird. Enden wird die literarische Reise im dänischen Kunstmärchen "Erlenhügel" von Andersen, wo wir einigen bekannten Figuren wieder begegnen werden: dem "Dovre-Alten", dem "Elfenkönig", der "Eidechse" dem "Regenwurm" den norwegischen "Trollen" und den dänischen "Elfen". Hier im Elfenhügel, aus norwegischer Troll-Perspektive ein Loch ("Ist das ein Hügel? fragte der Jüngste der Söhne und zeigte auf den Elfenhügel. Das nennen wir oben bei uns in Norwegen ein Loch"), werden wir vor allem auch danach fragen müssen, wie das dänisch-norwegische Verhältnis hier auf Märchenfiguren heruntergebrochen und literarisch verarbeitet wird.

Ausgehend von Märchen aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Island, Grönland, Sapmi und den Färöern sollen verschiedene Aspekte des Märchens und des Märchensammeln im 19. Jahrhundert behandelt werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt aber auch auf der heutigen Revitalisierung der Märchen in ganz unterschiedlichen Kontexten: Literatur, Film, Musik, Malerei, etc. Ein kurzer Ausschnitt aus einem grönländischen Text soll verdeutlichen, welche Fragen unter anderem an Märchentexte herangetragen werden können.

"Als die Erde entstand, die Menschen und die Hunde.
Unsere Vorväter haben viel vom Entstehen der Erde und der Menschen erzählt, damals, vor langer, langer Zeit. Sie konnten die Worte nicht in Strichen verstecken wie später die weissen Männer. Sie erzählten nur, die Menschen, die vor uns lebten. Sie erzählten von vielen Dingen und darum sind wir nicht unwissend in jenen Dingen, die immer und immer wieder erzählt wurden. Alte Frauen verschwenden ihre Worte nicht gleichgültig, und wir glauben ihnen: Im Alter gibt es keine Lüge. [...]
Erzählt von Arnâluk"
Im Kommentar zu diesem Märchen schreibt Knud Rasmussen:
"Erzähler: Arnâluk, ca 60 Jahre alte Polar-Eskimofrau aus dem Kap York-Distrikt (Nordwestgrönland). Aufgezeichnet 1903 bis 1904."

1. Weshalb begann man Mitte des 19. Jahrhunderts in den skandinavischen Ländern mit dem Sammeln und Aufschreiben von Märchen?
2. Wer sammelte, wer erzählte?
3. Welche geographischen Regionen rückten in den Fokus?
4. Wie wurden und werden die Märchen politisch instrumentalisiert?
5. Welchen Einfluss hatte der berufliche Hintergrund der Sammler (Forstmeister, Polarforscher, Chemiker, Folklorist, Philologe, Theologe, Linguist) auf die Sammeltätigkeit, die sprachliche Wiedergabe, die redaktionellen Eingriffe in die Varianten, und die Ausstattung der Druckausgaben mit Kommentaren?
6. Wie kann dem mündlichen Vortrag der Märchen im schriftlich fixierten Text Rechnung getragen werden? Wie verfährt man mit den Sprachen jener Gebiete, wo man als Kolonialmacht auftritt (Färöisch, Samisch, Kalallisut)?
7. Welche Rolle spielten die Märchen damals, welche Funktionen übernehmen sie heute?
8. Wie ist das Fortleben der Märchen in anderen Medien?
9. Welchen Vorstellungen unterliegen die Figuren, die "anders" sind, die in einer anderen Welt leben, wie etwa Elfen, Trolle, Nixen, Meerfrauen und Meermänner? Inwiefern können sie als ideale Träger von fluiden Geschlechtsidentitäten verstanden werden, die sich von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden? Spätestens seit Ron Clements Film "The little Mermaid" (1989) ist diese Debatte nicht mehr verstummt.
Bibliography Wir werden ausgewählte Märchen der wichtigsten skandinavischen Märchensammler in deutscher Übersetzung lesen und uns auch einige Märchenverfilmungen ansehen.

Allgemein:
Terry Gunell (Hg.): Grimm Ripples. The Legacy of the Grimm’ «Deutsche Sagen» in Northern Europe. Leiden 2022.

Märchensammlungen in den nordischen Ländern:
Dänemark
-Just Mathias Thiele: Danske Folkesagn. Kjøbenhavn 1818-23 (I-IV).
-H.C. Andersen: Sämtliche Märchen. Leipzig 1850.
-Svend Grundtvig: Danske Folkeminder, Viser, Sagn og Æventyr, m.m. levende i Folkemunde. Kjøbenhavn 1861.

Färöer
-V.U. Hammershaimb: Færøsk Anthologi. København. 1891.
-Otto L. Jiriczek: Färöische Märchen und Sagen. Zeitschrift für Volkskunde II. Berlin 1892.
-Jakob Jakobsen: Færøske Folkesagn og Æventyr. København 1898-1901.

Grönland
-Anonym (zweisprachig): Grønlandske Folkesagn, opskrevne og meddelte af Indfødte, med dansk Oversættelse. Med Træsnit tegnede og udskårne af en Indfødt. Godthaab. 1859-1863 (I-VI).
-Henry Rink and Robert Brown: Tales and Traditions of the Eskimo with a Sketch of Their Habits, Religion, Language and other Peculiarities. London 1875.
-Knud Rasmussen: Myter of Sagn fra Grønland. København 1921-1925 (I-III).

Island
-Konrad Maurer: Isländische Volkssagen der Gegenwart, vorwiegend nach mündlicher Überlieferung gesammelt und verdeutscht. Leipzig 1860.
-Jón Árnason: Íslenzkar þjóðsögur og æfintýri. Leipzig 1862 und 1864 (I-II).
-A. Rittershaus: Die neuisländischen Volksmärchen. Halle a. S. 1902.

Norwegen
-P. Chr. Asbjørnsen und Jørgen Moe: Norske folkeeventyr. Christiania 1843.
-P. Chr. Asbjørnsen: Norske huldreeventyr og Folkesagn. Christiania 1845 und 1848.

Sapmi
-J.C. Poestion: Lappländische Märchen. Wien 1886.
-Just Knud Qvigstad: Lappiske eventyr og sagn. Oslo 1927-29 (I-IV).

Schweden
-Gunnar Hylthén-Cavallius: Folk-Sagor och Äfventyr. Stockholm 1844 und 1849 (I-II).
-Gunnar Hylthén-Cavallius: Schwedische Volkssagen und Märchen. Deutsch von Carl Oberleitner. Wien 1848.

 

Admission requirements Es sind alle Studierenden willkommen, die sich etwas eingehender mit Märchen aus Skandinavien beschäftigen wollen.
Proseminare der Nordistik können grundsätzlich wiederholt belegt und Punkte erworben werden - auch im Master.
Die Primärliteratur des Kurses wird in deutscher Übersetzung zugänglich sein.
Course application Belegen in den Online Services (services.unibas.ch);
Eucor-Studierende und Mobilitäts-Studierende anderer CH-Universitäten registrieren sich vor Beginn der Lehrveranstaltung an der Universität Basel und erhalten per Post ihre Login-Daten (E-Mail-Adresse der Universität Basel). Bearbeitungszeit bis zu einer Woche!
Detaillierte Informationen dazu findst du hier: https://www.unibas.ch/de/Studium/Mobilitaet.html
Nach der erfolgreichen Registrierung könnt ihr die Lehrveranstaltung in den Online Services (services.unibas.ch) belegen.
Language of instruction German
Use of digital media No specific media used

 

Interval Weekday Time Room
wöchentlich Wednesday 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183

Dates

Date Time Room
Wednesday 18.02.2026 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183
Wednesday 25.02.2026 16.15-17.45 Fasnachtsferien
Wednesday 04.03.2026 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183
Wednesday 11.03.2026 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183
Wednesday 18.03.2026 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183
Wednesday 25.03.2026 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183
Wednesday 01.04.2026 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183
Wednesday 08.04.2026 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183
Wednesday 15.04.2026 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183
Wednesday 22.04.2026 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183
Wednesday 29.04.2026 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183
Wednesday 06.05.2026 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183
Wednesday 13.05.2026 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183
Wednesday 20.05.2026 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183
Wednesday 27.05.2026 16.15-17.45 Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungszimmer S 183
Modules Modul: Basis Neuskandinavistik (Bachelor's degree subject: Nordic Philology)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies BA (Bachelor's degree subject: English)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies BA (Bachelor's degree subject: Ancient Civilizations)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies BA (Bachelor's degree subject: German Language and Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies BA (Bachelor's degree subject: French Language and Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies BA (Bachelor's degree subject: Spanish Language and Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies BA (Bachelor's degree subject: Italian Language and Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies BA (Bachelor's degree program: Ancient Civilizations)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies BA (Bachelor's degree subject: Nordic Philology)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies BA (Bachelor's Studies - Faculty of Humanities and Social Sciences)
Assessment format continuous assessment
Assessment registration/deregistration Reg.: course registration; dereg.: not required
Repeat examination no repeat examination
Scale Pass / Fail
Repeated registration no repetition
Responsible faculty Faculty of Humanities and Social Sciences, studadmin-philhist@unibas.ch
Offered by Fachbereich Nordistik

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