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78356-01 - Seminar: Spinozas Ethik: "Von Gott" (3 CP)

Semester spring semester 2026
Course frequency Once only
Lecturers Markus Wild (markus.wild@unibas.ch, Assessor)
Content «Es gibt keine andre Philosophie, als die Philosophie des Spinoza.» (F.H. Jacobi, Über die Lehre des Spinoza, 1785)

«Von welcher Seite man auch immer seine Ethica nimmt: Sie ist ein unvergleichliches Buch, einmalig in der gesamten Philosophiegeschichte. Spinozas intellektuelles Ethos bestand darin, einen Text zu verfassen, der sich in seiner Strenge selbst genügen und daher jegliche Möglichkeit abweichender Interpretationen ausschließen würde, ganz wie die Elemente von Euklid, die er sich zum Vorbild nahm.» (Pierre Macherey, «Jedes Jahrhundert hat seinen eigenen Spinoza», 2011)

Baruch Spinoza (1632-1677) ist einer der radikalsten und originellsten Denker der Neuzeit. Seine 1677 in Latein erschienene Ethik, in geometrischer Methode dargestellt (Ethica Ordine Geometrico demonstrata) ist kompromisslos rationalistisch, systematisch, therapeutisch und zielt auf unbeugsame intellektuelle Autonomie. Die Ethik folgt strikt dem Prinzip des zureichenden Grundes (jede Behauptung muss begründet werden, es gibt in der Philosophie keine grundlosen Aussagen) und dementsprechend dem Ideal grösstmöglicher Voraussetzungslosigkeit (man muss keine philosophischen Vorgänger kennen, um die Ethik zu lesen). Die Ethik entwirft in fünf Teilen ein umfassendes philosophisches System. Der erste Teil handelt von der Natur des Universums (Teil 1: «Von Gott»), der zweite Teil über den Menschen (Teil 2: «Von der Natur und dem Ursprung des Geistes») und der dritte Teil über die Affektnatur des Menschen (Teil 3: «Vom Ursprung und der Natur der Affekte»). Die Teile 4 und 5 sind therapeutische oder ethische Teile, denn sie handeln von der menschlichen Unfreiheit bzw. der Freiheit. Die Ethik ist auch einer der formal merkwürdigsten Texte der Philosophiegeschichte, sie ist nach dem Vorbild des gr. Mathematiker Euklid aufgebaut wie eine geometrische Abhandlung mit Definitionen, Axiomen, Lehrsätzen, Folgesätzen, Beweisen, Anmerkungen. Es ist, als würde hier jemand aus weiter Ferne auf seine Themen blicken, doch aus der strengen Abstraktion ihres Anfangs («Unter Ursache seiner selbst verstehe ich das, dessen Essenz Existenz einschliesst.») entwickelt die Ethik Schritt für Schritt ein umfassendes, dichtes, faszinierendes Bild des Universums und der Stellung und Handlungsmacht des Menschen darin («Wenn das Heil einfach daläge und ohne grosse Anstrengung gefunden werden könnte, wie wäre es dann möglich, dass fast alle es fahren lassen?»). Dieses Bild fand zunächst erbitterte Feinde und fand und findet bis heute begeisterte Anhänger:innen.

Dieses Seminar ist der Beginn einer fünfteiligen Serie. Den Anfang bildet der mit «Von Gott» überschrieben Teil. Spinoza bestreitet die Existenz eines transzendenten Gottes und identifiziert Gott mit der Natur und die Natur mit Gott. Darum wurde er manchmal als «Atheist» beschimpft, manchmal als «Pantheist» interpretiert. In jedem Semester soll einer der fünf Teile der Ethik gelesen, studiert und diskutiert werden. Der 21.02.2027 markiert den 350. Todestag Spinozas, das Jahr 2027 das 350. Erscheinungsjahr der Ethik. In diesem Jahr werden Vorträge und Workshops in Basel organisiert werden, an denen Studierenden, die dieser Seminarserie folgen, mit grossem Gewinn werden teilnehmen können.
Bibliography Zur Anschaffung empfehle ich Baruch de Spinoza, Ethik Lateinisch-Deutsch (neu übersetzt und hrsg. von Wolfgang Bartuschat), Hamburg: Meiner 1999 (Sämtliche Werke, Bd. 2).
Zur Einführung kann der «Anhang» («Appendix») zum ersten Teil der Ethik gelesen werden. Wer es etwas genauer wissen will, kann die dt. Einführung von Wolfgang Bartuschat (Baruch de Spinoza, Becksche Reihe, 1995), die engl. Einführung von Michael Della Rocca (Spinoza, Routledge Philosophers, 2008) oder Charles Ramons frz. Einführung (Introduction à Spionza, 2023).

 

Language of instruction German
Use of digital media No specific media used
Course auditors welcome

 

Interval Weekday Time Room
wöchentlich Friday 10.15-12.00 Steinengraben 5, Seminarraum gross 302

Dates

Date Time Room
Friday 20.02.2026 10.15-12.00 Steinengraben 5, Seminarraum gross 302
Friday 27.02.2026 10.15-12.00 Fasnachtswoche
Friday 06.03.2026 10.15-12.00 Steinengraben 5, Seminarraum gross 302
Friday 13.03.2026 10.15-12.00 Steinengraben 5, Seminarraum gross 302
Friday 20.03.2026 10.15-12.00 Steinengraben 5, Seminarraum gross 302
Friday 27.03.2026 10.15-12.00 Steinengraben 5, Seminarraum gross 302
Friday 03.04.2026 10.15-12.00 Osterwoche
Friday 10.04.2026 10.15-12.00 Steinengraben 5, Seminarraum gross 302
Friday 17.04.2026 10.15-12.00 Steinengraben 5, Seminarraum gross 302
Friday 24.04.2026 10.15-12.00 Steinengraben 5, Seminarraum gross 302
Friday 01.05.2026 10.15-12.00 Tag der Arbeit
Friday 08.05.2026 10.15-12.00 Steinengraben 5, Seminarraum gross 302
Friday 15.05.2026 10.15-12.00 Auffahrt
Friday 22.05.2026 10.15-12.00 Steinengraben 5, Seminarraum gross 302
Friday 29.05.2026 10.15-12.00 Steinengraben 5, Seminarraum gross 302
Modules Modul: Klassiker der Theoretischen Philosophie (Bachelor's degree subject: Philosophy)
Module: Theoretical Philosophy (Master's degree subject: Philosophy)
Assessment format continuous assessment
Assessment details Wird in der ersten Sitzung bekannt gegeben.
Assessment registration/deregistration Reg.: course registration; dereg.: not required
Repeat examination no repeat examination
Scale Pass / Fail
Repeated registration no repetition
Responsible faculty Faculty of Humanities and Social Sciences, studadmin-philhist@unibas.ch
Offered by Fachbereich Philosophie

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