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79384-01 - Seminar: Implosion der Zentrumssprache. Literatur und die (innere) Dekolonialisierung des Russischen im postimperialen Raum (3 CP)

Semester fall semester 2026
Course frequency Once only
Lecturers Anna Hodel Laszlo (anna.hodel@unibas.ch, Assessor)
Content Das Seminar untersucht die gegenwärtige „Implosion“ der russischen Zentrumssprache im postsowjetischen Raum. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Russisch seit der Vollinvasion der Ukraine 2022 nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern zunehmend als historisch belastete, politisierte und ästhetisch prekäre Sprache verhandelt wird. Im Seminar fragen wir, wie Literatur, Lyrik, Performance und künstlerische Praktiken auf diese tektonischen Verschiebungen reagieren – durch Sprachwechsel, Hybridisierung, Heterographien, Mehrschriftlichkeit, translinguale Verfahren oder bewusste Verweigerung. Im Zentrum stehen Autor:innen wie Varvara Nedeoglo, Galina Rymbu und Alex Averbuch, deren Texte Russisch nicht einfach verwenden, sondern von innen her destabilisieren, verfremden und „dekolonisieren“.
Sichtbar werden dabei unterschiedliche Antworten auf die Krise der Zentrumssprache: ihre Zersetzung von innen, ihre hybride Vervielfältigung oder auch ihr (partieller) Rückzug zugunsten anderer Sprachräume – etwa dort, wo Alex Averbuchs neuere Texte das Russische verlassen und sich zwischen Ukrainisch und Jiddisch neu situieren. Dabei interessieren uns literarische und ästhetische Formen, in denen Sprache zugleich Ressource, Risiko, Gewaltgeschichte und Möglichkeitsraum wird.
Das Seminar verbindet textnahe Analysen mit theoretischen Perspektiven auf Dekolonisierung, Mehrsprachigkeit, Translingualität, Parrhesie und postimperiale Sprachpolitik. Diskutiert werden unter anderem Fragen nach der Möglichkeit eines „Russisch ohne Zentrum“, nach den Grenzen von Begriffen wie „russophon“ oder „plurizentrisch“ sowie nach neuen Formen kultureller Selbstverortung zwischen Baltikum, Kaukasus, Ukraine und russischsprachiger Diaspora. Ergänzend können weitere literarische und künstlerische Positionen aus dem postsowjetischen Raum – insbesondere aus dem Baltikum – hinzugezogen werden, die kulturelle Sprachlandschaften und verschobene Formen von Mehrsprachigkeit reflektieren. Die Lehrveranstaltung versteht Literatur und Kunst dabei nicht nur als Spiegel politischer Prozesse, sondern als experimentelle Reflexionsräume, in denen neue Sprachverhältnisse, Affekte und Formen des Denkens erprobt werden.
Learning objectives - Die Studierenden erwerben Kenntnisse zentraler theoretischer Ansätze zu postimperialer Mehrsprachigkeit, Dekolonisierung, Translingualität und Sprachpolitik im postsowjetischen Raum.
- Die Studierenden lernen, literarische und künstlerische Texte als Reflexionsräume sprachlicher, politischer und affektiver Konflikte zu analysieren und Verfahren wie Heterographie, Skriptmischung, Code-Switching oder sprachliche Verfremdung textnah zu beschreiben.
- Die Studierenden können unterschiedliche Formen russischsprachiger und mehrsprachiger Kulturproduktion im Baltikum, im Kaukasus, in der Ukraine und in diasporischen Kontexten historisch und kulturpolitisch situieren.
- Die Studierenden reflektieren kritisch Begriffe wie „Russophonie“, „plurizentrisches Russisch“ oder „Erstsprache“ und entwickeln ein Verständnis für Sprache als umkämpfte kulturelle, ästhetische und politische Praxis.
- Die Studierenden entwickeln die Fähigkeit, literarische und künstlerische Praktiken mit grösseren Fragen von Macht, Gewalt, Erinnerung, Zugehörigkeit und kultureller Neuverortung zu verbinden.
Bibliography Alle Primärliteratur wird auch in Übersetzungen vorhanden sein. Sprachkenntnisse aus der dezentralen Russophonie werden dennoch nicht abgelehnt.

Theoretisch stützt sich das Seminar auf Ansätze der Postcolonial und Decolonial Studies, der Mehrsprachigkeits- und Translingualitätsforschung, der Sprach- und Affekttheorie sowie auf literatur- und kulturwissenschaftliche Arbeiten zu Avantgarde, Sprachkritik und postimperialen Räumen (u. a. Michel Foucault, Étienne Balibar, Mikhail Bakhtin, Yasemin Yildiz, Madina Tlostanova, Botakoz Kassymbekova, Tamar Koplatadze, Gilles Deleuze/Félix Guattari, Eve Kosofsky Sedgwick, Aage Hansen-Löve).

Eine ausführliche Literaturliste wird zu Beginn des Semesters bekannt gegeben.

 

Language of instruction German
Use of digital media No specific media used
Course auditors welcome

 

Interval Weekday Time Room
wöchentlich Monday 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13

Dates

Date Time Room
Monday 14.09.2026 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13
Monday 21.09.2026 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13
Monday 28.09.2026 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13
Monday 05.10.2026 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13
Monday 12.10.2026 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13
Monday 19.10.2026 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13
Monday 26.10.2026 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13
Monday 02.11.2026 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13
Monday 09.11.2026 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13
Monday 16.11.2026 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13
Monday 23.11.2026 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13
Monday 30.11.2026 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13
Monday 07.12.2026 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13
Monday 14.12.2026 16.15-17.45 Nadelberg 8, Seminarraum 13
Modules Modul: Literatur- und kulturwissenschaftliche Forschung (Master's degree program: Literary Studies)
Modul: Literaturtheorie (Master's degree program: Literary Studies)
Modul: Slavische Kulturwissenschaft (Master's degree subject: Slavic Studies)
Modul: Slavische Literaturwissenschaft BA (Bachelor's degree program: Eastern European Studies)
Modul: Slavische Literaturwissenschaft BA (Bachelor's degree subject: Eastern European Cultures)
Modul: Slavische Literaturwissenschaft MA (Master's degree subject: Slavic Studies)
Modul: Transfer: Europa interdisziplinär (Master's degree program: European History in Global Perspective)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: Slavic Studies)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: English)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: German Language and Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: French Language and Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: Spanish Language and Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: Italian Language and Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: German Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: Latin Philology)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: Nordic Philology)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's Studies - Faculty of Humanities and Social Sciences)
Assessment format continuous assessment
Assessment registration/deregistration Reg.: course registration; dereg.: not required
Repeat examination no repeat examination
Scale Pass / Fail
Repeated registration no repetition
Responsible faculty Faculty of Humanities and Social Sciences, studadmin-philhist@unibas.ch
Offered by Fachbereich Slavistik

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