Add to watchlist
Back to selection

 

79319-01 - Research seminar: Ilse Aichinger: Fragilität und Konsequenz (4 CP)

Semester fall semester 2026
Course frequency Once only
Lecturers Hubert Thüring (hubert.thuering@unibas.ch, Assessor)
Content Ilse Aichingers (1921-2016) schmales Werk, das neben dem einzigen Roman ein paar Prosabände mit Erzählungen und vermischten Kurztexten, mit Szenen und Dialogen, mit Hörspielen und mit Gedichten umfasst, gehört zu den rätselhaftesten der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Sinn wie Form der Texte erscheinen bald undurchdringlich verdichtet, bald drohen sie zu zerbrechen oder zu zerfasern, bald leuchten und funkeln sie, bald saugen sie alles Licht aus der Umgebung. „Unbeirrbar kamen sie hinter dem Sarg her, getragen von der schwebenden Helligkeit des Getragenen vor ihnen wie von einem Lied“, so folgt die Schar jüdischer Kinder, denen der Friedhof wegen der Verfolgung zum letzten Spielplatz und Existenzraum geworden ist, einem Trauerzug. Der 1948 erschienene Roman „Die größere Hoffnung“, der zu den ersten großen Texten über die Verfolgung und Vernichtung der Jüd:inne und Juden durch die Nationalsozialist:innen gehört, betreibt nicht vor allem dokumentarische Zeugenschaft, sondern gestaltet die Extremerfahrung selbst aus der subjektiven Perspektive eines halbwüchsigen Mädchens. Entsprechend überschreitet der Texte die konventionelle Erzählweise und Rhetorik immer wieder und durchbricht den platten Realismus mit traumartig allegorischen, bisweilen skurrilen und grotesken Szenen. Die Erzählungen sind stark von der Nähe des Endes, oft auch des Todes, und einer drängenden Zeit geprägt und offenbaren gerade dadurch die Dringlichkeiten des Lebens, was sich in Ambivalenzen und Paradoxien artikuliert wie etwa die „Rede unter dem Galgen“ (1952) oder die Bewegungskunst des „Gefesselten“ (1951). Daß diese Poetik von einer sprachkritischen Haltung geprägt sind, bekräftigen die explizit sprachphilosophischen Kurzessay, die Aichinger 1971 unter dem Titel
„Schlechte Wörter“ versammelt hat. – Das Forschungsseminar widmet sich zunächst eingehend dem Roman, um dann in einem zweiten Teil die kürzeren Formen zu erforschen. Als Forschungsleitfaden dient das neue, 2025 erschienene „Aichinger Handbuch“, das damit gleich auch einer ‚Tauglichkeitsprüfung‘ unterzogen wird.
Learning objectives Die Studierenden lernen einen Zugang und Umgang mit Texten kennen, die sich nicht leicht erschließen lassen. Entsprechend wird ein methodisch vielfältiges exploratives Vorgehen gefördert.
Bibliography Ilse Aichinger:
– Die größere Hoffnung. Roman (1948)
– Der Gefesselte. Erzählungen (1948-1952)
– Schlechte Wörter (1976)
– Zu keiner Stunde. Szenen und Dialoge (1957)
– Verschenkter Rat. Gedichte (1978)
Frankfurt am Main: Fischer 1991 (und spätere Auflagen).

Aichinger Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, herausgegeben von Barbara Thums und Armin Schäfer, Berlin: Metzler 2025 (auf ADAM).

 

Language of instruction German
Use of digital media No specific media used

 

Interval Weekday Time Room
wöchentlich Tuesday 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5

Dates

Date Time Room
Tuesday 15.09.2026 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Tuesday 22.09.2026 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Tuesday 29.09.2026 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Tuesday 06.10.2026 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Tuesday 13.10.2026 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Tuesday 20.10.2026 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Tuesday 27.10.2026 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Tuesday 03.11.2026 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Tuesday 10.11.2026 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Tuesday 17.11.2026 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Tuesday 24.11.2026 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Tuesday 01.12.2026 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Tuesday 08.12.2026 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Tuesday 15.12.2026 12.15-14.00 Deutsches Seminar, Seminarraum 5
Modules Modul: Deutsche Literaturwissenschaft: Forschungsorientiertes Studium (Master's degree subject: German Literature)
Modul: Deutsche Literaturwissenschaft: Grundwissen Master (Master's degree subject: German Literature)
Modul: Literatur- und kulturwissenschaftliche Forschung (Master's degree program: Literary Studies)
Modul: Literaturgeschichte (Master's degree program: Literary Studies)
Modul: Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Master's degree subject: German Language and Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: Slavic Studies)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: English)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: German Language and Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: French Language and Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: Spanish Language and Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: Italian Language and Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: German Literature)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: Latin Philology)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's degree subject: Nordic Philology)
Module: Interphilology: Literary and Cultural Studies MA (Master's Studies - Faculty of Humanities and Social Sciences)
Wahlbereich Master Deutsche Philologie: Empfehlungen (Master's degree subject: German Language and Literature)
Assessment format continuous assessment
Assessment registration/deregistration Reg.: course registration; dereg.: not required
Repeat examination no repeat examination
Scale Pass / Fail
Repeated registration no repetition
Responsible faculty Faculty of Humanities and Social Sciences, studadmin-philhist@unibas.ch
Offered by Fachbereich Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft

Back to selection